Der Kind-Faktor
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Kinder! Wir lieben sie! Weil sie uns so viel zurückgeben! Das ist ein sehr wahrer Satz. Meistens! Wir lieben sie für ihre guten Seiten und wir lieben sie, wenn sie uns mal wieder zur Weißglut treiben. Meistens! Für mich gibt es immer mal wieder Situationen, in denen ich mir ein kleines bisschen mehr Freiheit wünsche. So geschehen heute. Ich wollte eigentlich nur ein bisschen Sport machen gehen. Ich will ja mit den Kindern mithalten können, so konditionell gesehen. Tragen, Werfen, Rennen! Was als Papa so gefordert ist. Also, die Kleine ins Bett gebracht, den Großen auch und schnell das Sportzeug gepackt und ab in das Studio, Fahrradfahren ohne vom Fleck zu kommen und schwere Dinge so oft wie möglich in alle Richtungen wuchten. Ja, dachte ich zumindest. Es kam alles irgendwie nicht so wie geplant. Erst hat die Kleine sich beharrlich geweigert einzuschlafen, dann ist der Große aufgewacht und wollte etwas trinken. Dann wieder die Kleine, dann der Große....Ihr versteht! So ging das stundenlang und hat erst vor ein paar Minuten aufgehört.
Was mich zum heutigen Thema bringt. Den Kind-Faktor! Der Kind-Faktor ist meine ganz und gar nicht wissenschaftliche Art, das Phänomen zu beschreiben, das, glaube ich, sehr viele Eltern kennen, und als Papa habe ich so ein Gespür dafür entwickelt. (Das Gespür lässt mich aber oft genug im Stich.) Man muss pünktlich sein, versucht extra früher anzufangen, sich und die Kinder anzuziehen, kommt aber trotzdem irgendwie 20 Minuten zu spät.
Man freut sich, einen Film zusammen anzuschauen, schon hat die Kleine wahnsinnige Sehnsucht nach Papa und möchte nur von mir in den Schlaf gekuschelt werden. Das ist anstrengend und nervig, aber macht mich als Papa natürlich stolz, wenn nur meine starken, Fitnessstudio-gestählten Arme sie in den Schlaf wiegen können.
Man möchte endlich gesünder essen, aber dann landet trotzdem wieder Nudeln mit Tomatensoße auf dem Esstisch. Die Zutaten für das leckere, ausgewogene und nahrhafte Essen kann man auch anders verwenden. (Der Salat welkt seit Tagen vorwurfsvoll im Kühlschrank vor sich hin.)
Egal was, der Kind-Faktor sorgt zuverlässig dafür, dass alles länger dauert, Pläne geändert werden müssen und Vorhaben anders enden als geplant. Der Kind-Faktor ist, wenn meine Frau und ich bewusst NICHT darüber reden, wie toll die Kleine am Abend schläft. Kinder können das hören! Keine Ahnung wie. Es muss irgendeine metaphysische Verbindung zwischen Kindern und Eltern geben, die sofort das Kind weckt, wenn es sich die Eltern zu gemütlich machen. Der Kind-Faktor besagt: “Fühl dich nicht zu sicher!” und “Jeder Plan ist gut, bis das Kind davon Wind bekommt.”
Das Obige ist natürlich nur ein ganz klein wenig ernst gemeint. Kinder, vor allem kleine, sind eben unberechenbar. Einmal macht man Pläne, einmal nicht und beides Mal wäre das Gegenteil sinnvoller gewesen. Ich als Mensch, der gerne einem festen Plan folgt, finde das alles wahnsinnig anstrengend. Meine Frau ist da zum Glück entspannter. Ich bin aber nicht meine Frau und entsprechend ziemlich genervt. Was mich wieder stresst. Mann, wäre Sport jetzt gut, sich so richtig auspowern und dann entspannt unter die heiße Dusche. Moment! Höre ich da die Kleine weinen? Und das Spiel geht von vorne los.
Andererseits lehrt einen der Kind-Faktor Geduld. Kinder sind eben nicht diese voll-optimierten, auf Effizienz getrimmten Wesen, die wir Erwachsenen immer mehr zu werden scheinen. Dann muss die Jacke eben nochmal ausgezogen werden, bevor man die Mütze anziehen kann.
Vielleicht ist es auch gut, dass es den Kind-Faktor gibt. Er hält mich auf Trab und hilft mir, aus meinen festgefahrenen, über Jahrzehnte eingeübten Verhaltensweisen auszubrechen. Wer muss schon pünktlich sein (ICH!) und den Film kann man auch irgendwann schauen (NEIN!) und den Sport kann ich auch verschieben (NIEMALS!).
Was ich sagen möchte, ist, glaube ich, dass man alles ein wenig entspannter sehen sollte, sich nicht an Pläne festkrallt, vor allem mit zwei Kindern. Die meisten Leute haben Verständnis, wenn man zu spät kommt. Und wenn nicht, sind die Kinder auch eine super Ausrede, früher zu gehen. Den Sport kann man auch morgen machen. Und Nudeln mit Tomatensoße sind eigentlich auch gar nicht so schlimm.
Was sind eure Erfahrungen mit dem Kind-Faktor? Gibt es den überhaupt?
Euer IdleHirn
#papasein #papablogger #blog #fedieltern #kinder
Ihr findet mich im Fediverse unter @Idlehirn@loma.ml und auf Bluesky unter @idlehirn@bsky.social.
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Kinder! Wir lieben sie! Weil sie uns so viel zurückgeben! Das ist ein sehr wahrer Satz. Meistens! Wir lieben sie für ihre guten Seiten und wir lieben sie, wenn sie uns mal wieder zur Weißglut treiben. Meistens! Für mich gibt es immer mal wieder Situationen, in denen ich mir ein kleines bisschen mehr Freiheit wünsche. So geschehen heute. Ich wollte eigentlich nur ein bisschen Sport machen gehen. Ich will ja mit den Kindern mithalten können, so konditionell gesehen. Tragen, Werfen, Rennen! Was als Papa so gefordert ist. Also, die Kleine ins Bett gebracht, den Großen auch und schnell das Sportzeug gepackt und ab in das Studio, Fahrradfahren ohne vom Fleck zu kommen und schwere Dinge so oft wie möglich in alle Richtungen wuchten. Ja, dachte ich zumindest. Es kam alles irgendwie nicht so wie geplant. Erst hat die Kleine sich beharrlich geweigert einzuschlafen, dann ist der Große aufgewacht und wollte etwas trinken. Dann wieder die Kleine, dann der Große....Ihr versteht! So ging das stundenlang und hat erst vor ein paar Minuten aufgehört.
Was mich zum heutigen Thema bringt. Den Kind-Faktor! Der Kind-Faktor ist meine ganz und gar nicht wissenschaftliche Art, das Phänomen zu beschreiben, das, glaube ich, sehr viele Eltern kennen, und als Papa habe ich so ein Gespür dafür entwickelt. (Das Gespür lässt mich aber oft genug im Stich.) Man muss pünktlich sein, versucht extra früher anzufangen, sich und die Kinder anzuziehen, kommt aber trotzdem irgendwie 20 Minuten zu spät.
Man freut sich, einen Film zusammen anzuschauen, schon hat die Kleine wahnsinnige Sehnsucht nach Papa und möchte nur von mir in den Schlaf gekuschelt werden. Das ist anstrengend und nervig, aber macht mich als Papa natürlich stolz, wenn nur meine starken, Fitnessstudio-gestählten Arme sie in den Schlaf wiegen können.
Man möchte endlich gesünder essen, aber dann landet trotzdem wieder Nudeln mit Tomatensoße auf dem Esstisch. Die Zutaten für das leckere, ausgewogene und nahrhafte Essen kann man auch anders verwenden. (Der Salat welkt seit Tagen vorwurfsvoll im Kühlschrank vor sich hin.)
Egal was, der Kind-Faktor sorgt zuverlässig dafür, dass alles länger dauert, Pläne geändert werden müssen und Vorhaben anders enden als geplant. Der Kind-Faktor ist, wenn meine Frau und ich bewusst NICHT darüber reden, wie toll die Kleine am Abend schläft. Kinder können das hören! Keine Ahnung wie. Es muss irgendeine metaphysische Verbindung zwischen Kindern und Eltern geben, die sofort das Kind weckt, wenn es sich die Eltern zu gemütlich machen. Der Kind-Faktor besagt: “Fühl dich nicht zu sicher!” und “Jeder Plan ist gut, bis das Kind davon Wind bekommt.”
Das Obige ist natürlich nur ein ganz klein wenig ernst gemeint. Kinder, vor allem kleine, sind eben unberechenbar. Einmal macht man Pläne, einmal nicht und beides Mal wäre das Gegenteil sinnvoller gewesen. Ich als Mensch, der gerne einem festen Plan folgt, finde das alles wahnsinnig anstrengend. Meine Frau ist da zum Glück entspannter. Ich bin aber nicht meine Frau und entsprechend ziemlich genervt. Was mich wieder stresst. Mann, wäre Sport jetzt gut, sich so richtig auspowern und dann entspannt unter die heiße Dusche. Moment! Höre ich da die Kleine weinen? Und das Spiel geht von vorne los.
Andererseits lehrt einen der Kind-Faktor Geduld. Kinder sind eben nicht diese voll-optimierten, auf Effizienz getrimmten Wesen, die wir Erwachsenen immer mehr zu werden scheinen. Dann muss die Jacke eben nochmal ausgezogen werden, bevor man die Mütze anziehen kann.
Vielleicht ist es auch gut, dass es den Kind-Faktor gibt. Er hält mich auf Trab und hilft mir, aus meinen festgefahrenen, über Jahrzehnte eingeübten Verhaltensweisen auszubrechen. Wer muss schon pünktlich sein (ICH!) und den Film kann man auch irgendwann schauen (NEIN!) und den Sport kann ich auch verschieben (NIEMALS!).
Was ich sagen möchte, ist, glaube ich, dass man alles ein wenig entspannter sehen sollte, sich nicht an Pläne festkrallt, vor allem mit zwei Kindern. Die meisten Leute haben Verständnis, wenn man zu spät kommt. Und wenn nicht, sind die Kinder auch eine super Ausrede, früher zu gehen. Den Sport kann man auch morgen machen. Und Nudeln mit Tomatensoße sind eigentlich auch gar nicht so schlimm.
Was sind eure Erfahrungen mit dem Kind-Faktor? Gibt es den überhaupt?
Euer IdleHirn
#papasein #papablogger #blog #fedieltern #kinder
Ihr findet mich im Fediverse unter @Idlehirn@loma.ml und auf Bluesky unter @idlehirn@bsky.social.
@idlehirn@retrogarde.de @idlehirn@loma.ml Schön geschrieben. Sehr anschaulich. Es zeigt, wieviele Facetten und Talente gebraucht und gefördert werden. Gleichzeitig zeigt es auch die Last, die es mit sich bringt, auch wenn es eine schöne Last ist. Für viele Frauen ist es Alltag und ich glaube, wir würdigen diese Arbeit viel zu wenig. Nicht Arbeit in einem Sinne, wie es in Deutschland schon einmal missverstanden und Frauen auf ihre Rolle als Mütter reduziert oder sie ihnen ungefragt zugeschrieben hat. Aber im Sinne einer Verantwortung, eines Einsatzes, Hingabe und Talenten, die gebraucht werden. Ich erkenne diese Aspekte und Nuancen in Deinem Blog und finde, dass er zum Verständnis beitragen kann.
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@idlehirn@retrogarde.de @idlehirn@loma.ml Schön geschrieben. Sehr anschaulich. Es zeigt, wieviele Facetten und Talente gebraucht und gefördert werden. Gleichzeitig zeigt es auch die Last, die es mit sich bringt, auch wenn es eine schöne Last ist. Für viele Frauen ist es Alltag und ich glaube, wir würdigen diese Arbeit viel zu wenig. Nicht Arbeit in einem Sinne, wie es in Deutschland schon einmal missverstanden und Frauen auf ihre Rolle als Mütter reduziert oder sie ihnen ungefragt zugeschrieben hat. Aber im Sinne einer Verantwortung, eines Einsatzes, Hingabe und Talenten, die gebraucht werden. Ich erkenne diese Aspekte und Nuancen in Deinem Blog und finde, dass er zum Verständnis beitragen kann.