Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
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@dieKadda
Ich bin da mit meinem Sohn auch oft verzweifelt, zumal er sich die richtigen Kandidaten für "Quatsch" rausgesucht hat.
Ich habe ihm immer wieder erklärt, wie sehr mich das belastet, wenn Nachbarn / Leute vor der Türe stehen und sich beschweren.Das ganze hat (bis jetzt) schlagartig sein Ende genommen, seitdem er in jeder freien Minute auf einem Bauernhof mitarbeitet, mit reichlich Bestätigung und Fleisch belohnt wird. Da verbringt er ganze Tage und kommt ausgeglichen wieder heim.
@MagicMutti ich hab auch oft Langeweile im Verdacht.
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@bithive gibt es gar nichts, was man zum Beispiel als Eltern tun kann?
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Also als Eltern immer das Beste versuchen und hoffen, dass die Kinder es aufnehmen?
@bithive Na klar, genau. Und das Gute oder sagen wir das, was man sich von seinem Kind wünscht, auch vorleben, also alle Facetten von Menschlichkeit. Ich denke, es ist z.B. auch super wichtig, dass die Kinder sehen, dass auch Erwachsene mal Fehler machen. Und dass man die aber oft korrigieren kann durch Einsicht und Entschuldigung. Und da fängt doch die moralische Selbstreflexion an: Dein Bauch sagt dir, dass etwas falsch ist und dein Kopf muß nun nur noch herausfinden, wieso?
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@dieKadda in meiner eigenen Erziehung erinnere ich mich an zwei Fragen, die meine Eltern gestellt haben. "Hättest du das auch gemacht, wenn du alleine gewesen wärst?" und "Versuch mal, dir vorzustellen, wie der/die andere das gefunden hat, was ihr da gemacht habt." Ich fand das im Rückblick ziemlich gut, meine Eltern haben damals insgesamt recht bewusst mit Gordon "Familienkonferenz" gearbeitet. Das waren ziemlich nüchterne Reflexionseinstiege ohne die (oft Widerstand erzeugenden) sofortigen /1
@dieKadda Vorwürfe anderer Eltern (oder, andererseits, deren anscheinende Gleichgültigkeit).
Es hat bei mir nicht dazu geführt, dass ich offen gegen die (oftmals körperlich überlegenen, schon gar in der Masse) Rädelsführer vorgegangen bin, sondern dass ich "nicht mitgemacht" habe. In der Soziodynamik steht man dann natürlich irgendwann am Rand. Aber das ist kein ganz schlechter Ort. -
@bithive Na klar, genau. Und das Gute oder sagen wir das, was man sich von seinem Kind wünscht, auch vorleben, also alle Facetten von Menschlichkeit. Ich denke, es ist z.B. auch super wichtig, dass die Kinder sehen, dass auch Erwachsene mal Fehler machen. Und dass man die aber oft korrigieren kann durch Einsicht und Entschuldigung. Und da fängt doch die moralische Selbstreflexion an: Dein Bauch sagt dir, dass etwas falsch ist und dein Kopf muß nun nur noch herausfinden, wieso?
Das sehe ich an meinem kleinen, wenn ich den sage, das ich Dinge auch nicht gut kann, oder das ich was falsch gemacht habe, schaut er mich immer ganz groß an und man merkt wie es im Kopf rattert. Und ich glaube es hilft ihm auch eigene Fehler einzugestehen. Ist aber auch für mich eine Entwicklungsaufgabe.
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda Während meine Freunde Drogen immer gern genommen und dann Scheisse gebaut haben, konnte ich mich nie dafür erwärmen. Ich hab dann immer eher interessiert Sozialstudien betrieben.
Einen Tipp, warum das bei mir so war und ich dir an die Hand geben kann, hab ich leider auch nicht

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@MagicMutti ich hab auch oft Langeweile im Verdacht.
@dieKadda
Ja, und dieses grenzenlose Selbstbewusstsein "ohne Hirn" -
Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda Definiere "Jungs". Meinst Du 7-12jährige oder eher Jugendliche ab 13? Ich bekomme beim Lesen der Comments den Eindruck, hier versuchen gerade "Helikoptereltern" sowas wie "Kindheit" zu reglementieren.
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@dieKadda Definiere "Jungs". Meinst Du 7-12jährige oder eher Jugendliche ab 13? Ich bekomme beim Lesen der Comments den Eindruck, hier versuchen gerade "Helikoptereltern" sowas wie "Kindheit" zu reglementieren.
@TheTomas nein, geht schon eher um 13-14, also nicht mehr Kinder.
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@dieKadda Definiere "Jungs". Meinst Du 7-12jährige oder eher Jugendliche ab 13? Ich bekomme beim Lesen der Comments den Eindruck, hier versuchen gerade "Helikoptereltern" sowas wie "Kindheit" zu reglementieren.
@TheTomas und auch schon härtere Verhaltensweisen wie Sachbeschädigung, Waffenbesitz, das Umfeld tyrannisieren (ob in der Klasse oder in der Nachbarschaft)…
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda vor allem ja auch Sachen, die direkt hart lebensgefährlich für sie selbst sind (auf güterbahnwägen steigen und dann bildet sich ein Lichtbogen von der Oberleitung z.B.). Da setzt wirklich irgendwas ganz grundlegendes aus im Hirn… eigentlich nur mit viel zu viel Testosteron im Hirn erklärbar, oder?
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@dieKadda Definiere "Jungs". Meinst Du 7-12jährige oder eher Jugendliche ab 13? Ich bekomme beim Lesen der Comments den Eindruck, hier versuchen gerade "Helikoptereltern" sowas wie "Kindheit" zu reglementieren.
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@TheTomas und auch schon härtere Verhaltensweisen wie Sachbeschädigung, Waffenbesitz, das Umfeld tyrannisieren (ob in der Klasse oder in der Nachbarschaft)…
@dieKadda okay das ist eindeutig keine "Kindheit" mehr und das geht auch über das "Normalmaß" hinaus.
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda
Interessante Frage - bzw interessante Beobachtung, denn meiner nicht maßgeblichen Erinnerung nach schaltete in einer - zum Glück bereits einige Zeit überwunden Lebensphase - das Gehirn auf Mist bauen vor allem sobald Nicht-Jungs den Dunstkreis des Geschehens betraten. Dann genügte bereits normale mitteleuropäische Luftfeuchtigkeit um einen Kurzschluss im Hohlraum zwischen den Ohren zu erzeugen.
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda Das ist nicht "normal" und man sollte auch Gegensteuern. Das Thema ist zB. in Schulen ein großes Problem, welches zu wenig Aufmerksamkeit findet. Meine stark verkürzten Schlüsse aus meiner Beobachtung: Jungen aus stabilen Verhältnissen, also finanziell, Intellektuell, und vor allem auf sozialer, familiärer Ebene, haben deutlich weniger Probleme mit der Selbstfindung und können sich besser zu den "Scheißebauern" abgrenzen. Sie müssen denen nicht hinterher hecheln, sind rundum souveräner. Das kann so weit gehen das sich z.B. die Jungs einer Klasse dieser Souveränität anschließen und den Bully alleine stehen lassen. Erzieher:innen können diese Bewegungen unterstützen, dazu müssen sie allerdings ihren Job können und den richtigen Rahmen haben. Letzteres ist schwierig wenn Unternehmen die Erziehung gestalten, das passt nicht, so etwas gehört in die öffentliche Hand.
Dazu: Eltern kümmern sich zu wenig und/oder wissen kaum was sie tun. Aus vielen Gründen. Fazit: Unsere Gesellschaft vernachlässigt elementare Dinge schon sehr lange. Unser Bildungssystem ist müßte komplett hinterfragt und neu aufgesetzt werden. Das ist ein politisch, gesellschaftliches Problem. Die Verrohung der Jugend ein Symptom. -
@dieKadda Das ist nicht "normal" und man sollte auch Gegensteuern. Das Thema ist zB. in Schulen ein großes Problem, welches zu wenig Aufmerksamkeit findet. Meine stark verkürzten Schlüsse aus meiner Beobachtung: Jungen aus stabilen Verhältnissen, also finanziell, Intellektuell, und vor allem auf sozialer, familiärer Ebene, haben deutlich weniger Probleme mit der Selbstfindung und können sich besser zu den "Scheißebauern" abgrenzen. Sie müssen denen nicht hinterher hecheln, sind rundum souveräner. Das kann so weit gehen das sich z.B. die Jungs einer Klasse dieser Souveränität anschließen und den Bully alleine stehen lassen. Erzieher:innen können diese Bewegungen unterstützen, dazu müssen sie allerdings ihren Job können und den richtigen Rahmen haben. Letzteres ist schwierig wenn Unternehmen die Erziehung gestalten, das passt nicht, so etwas gehört in die öffentliche Hand.
Dazu: Eltern kümmern sich zu wenig und/oder wissen kaum was sie tun. Aus vielen Gründen. Fazit: Unsere Gesellschaft vernachlässigt elementare Dinge schon sehr lange. Unser Bildungssystem ist müßte komplett hinterfragt und neu aufgesetzt werden. Das ist ein politisch, gesellschaftliches Problem. Die Verrohung der Jugend ein Symptom.@JimPansen danke für deine langen Gedanken! Das ist sehr hilfreich. Ich erlebe es tatsächlich auch so, dass die Erwachsenen hilflos sind – selbst wenn es zum Beispiel auch Sozialarbeiter gibt. Dass trotzdem am Ende die gesamte Klasse bestraft wird und alle darunter leiden, anstatt gezielt die Wurzeln der Probleme zu behandeln. wo tatsächlich aber auch die Eltern mitmachen müssten.
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@AngelaCarstensen "Zu spät" hieße doch aber, dass man sein Kind aufgibt, nur weil man in der Vergangenheit etwas verpaßt hat. Nein, ich denke, zu spät ist es nie. Aber es wird bestimmt schwerer, in der Pubertät noch zu seinem Kind durchzudringen, wenn man den Kanal nicht schon vorher aufgebaut hat. Aber versuchen sollte man es doch immer. Dafür ist man doch Elter.
Okay, also ich meinte nicht, dass es komplett zu spät ist, überhaupt noch was zu machen. Aber zu spät um vorsorglich zu verhindern, dass jemand überhaupt in so ein Verhalten rein eskaliert.
Das eine ist Vorsorge, dass andere ist Umgehen mit der schon verkorksten Situation.
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda Selbstunsichere Persönlichkeiten, die aus fehlender Anerkennung, Ablehnung oder Mobbing entstehen, sind ideales Futter für Gruppen, in denen toxische Männlichkeit positiv bewertet wird, z.B. Nazis. Da erfahren ihre negativen Reaktionen auf soziale Standards dann Akzeptanz, nach dem Muster: je devianter, desto höher der Status. Bis zur kollektiven Enthemmung als Zugehörigkeitsritual
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Was ist mit Jungs, die sobald sie in der Gesellschaft anderer Jungs sind, wirklich zwanghaft Scheiße bauen?
@dieKadda
Eltern haben wahrscheinlich nur sehr geringe Chancen so eine Gruppensolidarität nachträglich aufzubrechen oder auch nur nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen. Sie sind explizit außerhalb der Gruppe. Dieses 'Scheiße bauen' ist der Stresstest für den Zusammenhalt der Gruppe, oftmals aufbauend auf der Ablehnung der elterlichen Werte: Wie weit gehst du mit uns?
Wir haben bestimmt noch ein, zwei Jahre Zeit. Aber mir graut es jetzt schon davor. -
@dieKadda
Eltern haben wahrscheinlich nur sehr geringe Chancen so eine Gruppensolidarität nachträglich aufzubrechen oder auch nur nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen. Sie sind explizit außerhalb der Gruppe. Dieses 'Scheiße bauen' ist der Stresstest für den Zusammenhalt der Gruppe, oftmals aufbauend auf der Ablehnung der elterlichen Werte: Wie weit gehst du mit uns?
Wir haben bestimmt noch ein, zwei Jahre Zeit. Aber mir graut es jetzt schon davor.@dieKadda
(Theweleit empfiehlt Fußball, glaube ich.)