In Berlin wischt man sich vermutlich gerade den Schweiß von der Stirn und atmet auf - und das durchaus zu Recht!Der Terroranschlag war am frühen Samstagmorgen, bis zur kompletten Wiederherstellung der Stromversorgung sind lediglich (unter Berücksichtigung des Wochenendes, an dem z.B. Firmen nur eingeschränkt erreichbar waren) 2,5 Arbeitstage vergangen (Montag, Dienstag und der halbe Mittwoch); Teile waren bereits am Sonntag wieder versorgt. Ich finde, das ist eine Leistung der beteiligten Versorger, Unternehmen und Mitarbeiter/innen, die auch mal gewürdigt werden sollte. Ohne Reservevorhaltung an Material (z.B. Ersatzstromerzeuger, die aus anderen Bundesländern herangeführt worden sind) und die vielen Ehrenamtlichen wäre das nicht gelungen; auch Zeiten für den Transport müssen ja berücksichtigt werden.Ich nehme mal ein Beispiel aus einem anderen Bereich, nämlich von der Bahn: die DB Netz hat für den Einsatz bei Brückenschäden „Hilfsbrücken“ in größerer Anzahl in Saarbrücken eingelagert, ist also in Gemeinschaft mit dem THW rasch reaktionsfähig. Aber dennoch: wenn was passiert, müssen Mannschaft und Material alarmiert, an den Einsatzort gebracht und der Einsatz dort vorbereitet werden. 24…36 Stunden sind dann schnell vorbei, bevor die eigentliche Arbeit beginnen kann, hinzu kommt die Aufbau- und Montagezeit.Ich denke, bei Stromkabeln in der 110 kV-Spannungsebene dürfte das nicht ganz anders sein; hinzu kommt, dass für den Anschluss an das weiter bestehende Kabel Temperaturen von > 15 Grad erforderlich sind. Die Baustelle muss im Winter daher erst eingerichtet, durch Zelte o.ä. einigermaßen abgedichtet und mit Wärmeerzeugern beheizt werden; alles das kostet schon aus physikalisch-technologischen Gründen Zeit.Wo ich eklatante Mängel aus der Berichterstattung lese, liegt das eher im Bereich der Vorsorgeplanung. Mir scheint, dass es keine Planungen gegeben hat, z.B. das direkt an der Berliner Stadtgrenze dislozierte "Mobile Betreuungsmodul 5000“ (MBM 5000) des DRK anzufordern - man hätte sich vermutlich viel Aufwand sparen können, wenn man dieses eingesetzt hätte. Auch scheint es mir falsch zu sein, dass - Presseberichten zufolge - in Berlin der Einsatz Ehrenamtlicher aus den Hilfsorganisationen erst nach Feststellung der Großschadenslage möglich sein soll, eine Feststellung, die anscheinend erst ca. 36 Stunden nach dem Terroranschlag geschehen ist. Gerade bei Ehrenamtlichen muss gelten, sie möglichst rasch zu alarmieren, selbst wenn ein Einsatz dann evtl. doch wieder „abgeblasen“ werden muss; Ehrenamtliche benötigen nämlich eine gewisse Vorlaufzeit für ihren Einsatz, gerade wenn er überörtlich erfolgen soll und möglicherweise länger als 8…12 Stunden dauern wird. Auch scheinen mir die Planungen Berlins für eine Notfallversorgung der Bevölkerung mit Verpflegung verbesserungsbedürftig zu sein - und auch die Anforderung von Hilfen aus anderen Bundesländern hätte vermutlich rascher geschehen sollen, denn auch hier gelten die für den Einsatz Ehrenamtlicher nötigen Vorlauf- und Marschzeiten in besonderem Maße. Die nrw. Stromversorgungszüge hätten sicherlich auch schon am Sonntag alarmiert und in Marsch gesetzt werden können und wären dann am Montag verfügbar gewesen und nicht erst am Dienstag oder Mittwoch.Nein, ich denke, die Berliner haben operativ-taktisch und technisch auf der Bauebene insgesamt gut gearbeitet! Probleme, die mich an der Resilienz der Berliner Infrastruktur zweifeln lassen, sehe ich eher im administrativ-organisatorischen und insbesondere im politisch-gesamtverantwortlichen Bereich des Führungssystems. Hier dürfte bei der zuständigen Senatsverwaltung und nicht zuletzt den Verantwortlichen in den Bezirksbehörden inzwischen eine dicke Kladde mit Aufgaben aufgelaufen sein, die nun vorrangig angegangen werden müssen!#Berlin #Stromausfall #Terroranschlag #Resilienz #Feuerwehr #DRK #Bevölkerungsschutz