Wer erinnert sich eigentlich noch an das Bafög?
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Nun ließe sich viel sagen über die politischen Kräfte, die das Bafög ohnehin lange loswerden wollten. Vor allem aber zeigt der Niedergang des Bafög für mich, wie leicht es ist, sozialpolitische Errungenschaften zu verlieren. (7/10)
Das Bafög wurde nie formal abgeschafft. Es wurde sogar ausgebaut. Aber studentische Beratungsstrukturen um und soziale Anerkennung für das Bafög sowie Wissenstransfer zwischen Studierendengenerationen ist anscheinend erodiert. (8/10)
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Das Bafög wurde nie formal abgeschafft. Es wurde sogar ausgebaut. Aber studentische Beratungsstrukturen um und soziale Anerkennung für das Bafög sowie Wissenstransfer zwischen Studierendengenerationen ist anscheinend erodiert. (8/10)
Und so kann sich die Gefördertenquote ganz ohne politische Aktivität, bloß durch Nichtstun, halbieren. Für die Politik bequem: Man kann sogar für das Bafög eingeplante Mittel verfallen lassen. (9/10)
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Und so kann sich die Gefördertenquote ganz ohne politische Aktivität, bloß durch Nichtstun, halbieren. Für die Politik bequem: Man kann sogar für das Bafög eingeplante Mittel verfallen lassen. (9/10)
Hier ist ein ganz konkreter Ansatzpunkt für die Verbesserung des Lebensstandards vieler Studierender: Unterstützt Menschen in eurem Umfeld, Bafög zu beantragen. Noch haben wir dieses System. Wir sollten es nicht ganz sterben lassen. (10/10)
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Nur noch etwa 14.5% der formal Anspruchsberechtigten erhält überhaupt Bafög. 2012 waren es noch 28%. (3/10)
https://www.bafoeg-rechner.de/Hintergrund/art-3087-bafoeg-statistik-2024.php
https://www.bafoeg-rechner.de/Hintergrund/art-2057-21.bafoeg-bericht.php@bpaassen wow... Ich habe in den späten Nullerjahren studiert; ohne Bafög, hätte ich mit dem Studium nie anfangen können (danach habe ich Stipendiendörderung bekommen, auch ib vollee Bafög-Höhe, aber das ging erst, als das Studium schon passierte...)
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@bpaassen wow... Ich habe in den späten Nullerjahren studiert; ohne Bafög, hätte ich mit dem Studium nie anfangen können (danach habe ich Stipendiendörderung bekommen, auch ib vollee Bafög-Höhe, aber das ging erst, als das Studium schon passierte...)
@bpaassen Beratung für kompliziertere Fälle (mein Partner hat Studium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht) war allerdings auch damals schon eher meh (er hat im Prinzip die ersten zwei Jahre des Studiums die Förderung verpasst dadurfh), weil die Ämter total überarbeitet waren. Wenn es heute noch schlimmer ist, mag ich kaum dran denken.
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Hier ist ein ganz konkreter Ansatzpunkt für die Verbesserung des Lebensstandards vieler Studierender: Unterstützt Menschen in eurem Umfeld, Bafög zu beantragen. Noch haben wir dieses System. Wir sollten es nicht ganz sterben lassen. (10/10)
@bpaassen Aber ist es wirklich Uninformiertheit der Studierenden? Es erscheint schon merkwürdig, dass die Förderquote so einbricht und ich kann mir kaum vorstellen, dass das daran liegt, dass alle Studies sich das Studium jetzt selbst finanzieren, weil sie nicht wissen, dass Bafög existiert.
Oder sind da andere Faktoren relevanter? Nicht angepasste Einkommensgrenzen für die Eltern oder sinkende Studi-Quote von Kindern weniger reicher Eltern?
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@bpaassen Aber ist es wirklich Uninformiertheit der Studierenden? Es erscheint schon merkwürdig, dass die Förderquote so einbricht und ich kann mir kaum vorstellen, dass das daran liegt, dass alle Studies sich das Studium jetzt selbst finanzieren, weil sie nicht wissen, dass Bafög existiert.
Oder sind da andere Faktoren relevanter? Nicht angepasste Einkommensgrenzen für die Eltern oder sinkende Studi-Quote von Kindern weniger reicher Eltern?
@mschfr Deshalb finde ich ja den Anteil an den Anspruchsberechtigten interessant. Anscheinend gibt es ja viele, die formal anspruchsberechtigt wären. Die Anträge sind halt unglaublich eingebrochen. Der Spiegel schreibt davon, dass ca. 70% der Anspruchsberechtigten gar nicht erst einen Antrag stellen.
Dass tatsächlich die Chancen schlechter sind ist sicher auch wahr. Aber wichtiger scheint zu sein, dass viele ihren Anspruch unterschätzen.
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@mschfr Deshalb finde ich ja den Anteil an den Anspruchsberechtigten interessant. Anscheinend gibt es ja viele, die formal anspruchsberechtigt wären. Die Anträge sind halt unglaublich eingebrochen. Der Spiegel schreibt davon, dass ca. 70% der Anspruchsberechtigten gar nicht erst einen Antrag stellen.
Dass tatsächlich die Chancen schlechter sind ist sicher auch wahr. Aber wichtiger scheint zu sein, dass viele ihren Anspruch unterschätzen.
@mschfr Und ich will gar nicht sagen, dass die Studierenden selbst schuld seien oder so. Mir geht es ja gerade darum, gute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen aufzubauen, damit der Antrag wieder selbstverständlich und schaffbar wird (noch besser wäre die staatliche Vereinfachung, ohne Frage).
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@mschfr Und ich will gar nicht sagen, dass die Studierenden selbst schuld seien oder so. Mir geht es ja gerade darum, gute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen aufzubauen, damit der Antrag wieder selbstverständlich und schaffbar wird (noch besser wäre die staatliche Vereinfachung, ohne Frage).
@bpaassen Ich hab mich aus Interesse mal durch die Links gelesen und tippe mal stark drauf, dass die eigentliche Ursache in der Definition dieser Antragsberechtigten ist. Da spielt nämlich das Elterneinkommen keine Rolle. Dann habe ich mal mit einem Bafög-Rechner rumgespielt und selbst wenn deine beiden Eltern den Mindestlohn verdienen und Vollzeit arbeiten, hast du nur einen Anspruch auf einen kleinen Bafög-Satz.
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@mschfr Und ich will gar nicht sagen, dass die Studierenden selbst schuld seien oder so. Mir geht es ja gerade darum, gute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen aufzubauen, damit der Antrag wieder selbstverständlich und schaffbar wird (noch besser wäre die staatliche Vereinfachung, ohne Frage).
@bpaassen @mschfr ich hätte damals gar nicht studieren können, weil ich kein Geld hatte. Vielleicht ist der Anteil derer, die zwar antragsberechtigt sind, aber eher wenig bis nichts bekommen würden größer geworden. Und dann lohnt sich das alles nicht. Also für 50 € im Monat wird keiner den Antrag stellen.
Aber spannendes Thema. Da sind dringend mehr Infos erforderlich.
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@bpaassen Ich hab mich aus Interesse mal durch die Links gelesen und tippe mal stark drauf, dass die eigentliche Ursache in der Definition dieser Antragsberechtigten ist. Da spielt nämlich das Elterneinkommen keine Rolle. Dann habe ich mal mit einem Bafög-Rechner rumgespielt und selbst wenn deine beiden Eltern den Mindestlohn verdienen und Vollzeit arbeiten, hast du nur einen Anspruch auf einen kleinen Bafög-Satz.
@mschfr Das bestreite ich nicht. Allerdings denke ich schon, dass 1) viele Haushalte unter diesem Doppelverdienereinkommen liegen und 2) auch ein Satz von 253 EUR im Monat noch viel hilft - nicht genug, alles richtig, ich kritisiere das auch, aber das Instrument an sich ist ja ein gutes und sollten wir nutzen.
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@mschfr Das bestreite ich nicht. Allerdings denke ich schon, dass 1) viele Haushalte unter diesem Doppelverdienereinkommen liegen und 2) auch ein Satz von 253 EUR im Monat noch viel hilft - nicht genug, alles richtig, ich kritisiere das auch, aber das Instrument an sich ist ja ein gutes und sollten wir nutzen.
@bpaassen Ich finde spontan keine Zahlen, wie sich diese Einkommensgrenzen für Eltern entwickelt haben, aber wir haben ja mit der hohen Inflation der letzten Jahre auch einige sehr hohe Tarifabschlüsse gehabt. Wenn die Grenze da nicht deutlich angepasst wurde, dürften viele aus der Berechtigung gefallen sein.
(wäre auch interessant zu sehen, ob jetzt weniger nicht-privilegierte Jugendliche ein Studium anfangen)
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@bpaassen Ich finde spontan keine Zahlen, wie sich diese Einkommensgrenzen für Eltern entwickelt haben, aber wir haben ja mit der hohen Inflation der letzten Jahre auch einige sehr hohe Tarifabschlüsse gehabt. Wenn die Grenze da nicht deutlich angepasst wurde, dürften viele aus der Berechtigung gefallen sein.
(wäre auch interessant zu sehen, ob jetzt weniger nicht-privilegierte Jugendliche ein Studium anfangen)
@bpaassen Ich find Bafög total sinnvoll, aber wie geschrieben: Ich bin höchst skeptisch mit der Erklärung, dass plötzlich so relevant viele Studis nichts von ihrem Anspruch wissen und mehr Beratung bräuchten. Die Ursachen müssen eigentlich woanders liegen - Einkommensgrenzen, veränderte sozioökonomische Struktur der Studienanfänger oder irgendwas anderes.
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@bpaassen Ich find Bafög total sinnvoll, aber wie geschrieben: Ich bin höchst skeptisch mit der Erklärung, dass plötzlich so relevant viele Studis nichts von ihrem Anspruch wissen und mehr Beratung bräuchten. Die Ursachen müssen eigentlich woanders liegen - Einkommensgrenzen, veränderte sozioökonomische Struktur der Studienanfänger oder irgendwas anderes.
@mschfr Aber wir haben solche Phänomene ja dauernd im Sozialsystem. Sozialleistungen werden andauernd nicht abgerufen, obwohl ein Anspruch formal bestünde. Oft u.a. deshalb, weil der Aufwand zum Erhalt der Leistungen zu hoch ist/als zu hoch eingeschätzt wird im Verhältnis zum Nutzen. Angewendet auf diesen Fall: Ich krieg eh nicht viel, wenn meine Eltern beide arbeiten, dann brauch ich mir die Mühe auch nicht machen.
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@mschfr Aber wir haben solche Phänomene ja dauernd im Sozialsystem. Sozialleistungen werden andauernd nicht abgerufen, obwohl ein Anspruch formal bestünde. Oft u.a. deshalb, weil der Aufwand zum Erhalt der Leistungen zu hoch ist/als zu hoch eingeschätzt wird im Verhältnis zum Nutzen. Angewendet auf diesen Fall: Ich krieg eh nicht viel, wenn meine Eltern beide arbeiten, dann brauch ich mir die Mühe auch nicht machen.
@mschfr Die "Kosten" des Antrags zu senken würde immerhin das Geld, das man noch bekommen kann, fließen lassen, was den Lebensstandard vieler Studierender verbessern würde (aus meiner Sicht). Das gilt insbesondere für Personen, die statt Bafög einen Studienkredit annehmen, was ja deutlich schlechtere Konditionen sind.
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@bpaassen Aber ist es wirklich Uninformiertheit der Studierenden? Es erscheint schon merkwürdig, dass die Förderquote so einbricht und ich kann mir kaum vorstellen, dass das daran liegt, dass alle Studies sich das Studium jetzt selbst finanzieren, weil sie nicht wissen, dass Bafög existiert.
Oder sind da andere Faktoren relevanter? Nicht angepasste Einkommensgrenzen für die Eltern oder sinkende Studi-Quote von Kindern weniger reicher Eltern?
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@mschfr Die "Kosten" des Antrags zu senken würde immerhin das Geld, das man noch bekommen kann, fließen lassen, was den Lebensstandard vieler Studierender verbessern würde (aus meiner Sicht). Das gilt insbesondere für Personen, die statt Bafög einen Studienkredit annehmen, was ja deutlich schlechtere Konditionen sind.
@mschfr Ich würde gern sehen, dass um das Bafög herum (wieder) mehr soziale Organisation und Struktur entsteht. Dass dann die Anträge steigen und wieder mehr Geld fließt. Und dass daraus auch wieder mehr politisches Momentum für die Verbesserung des Bafög entsteht - weil mehr Menschen davon wissen und dafür kämpfen.
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@FrauRettich @mschfr Das wundert mich, weil Bafög-Darlehen eigtl. zinslos sind. In welchem Kontext ist das?
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@FrauRettich @mschfr @bpaassen Beim Bafög fallen keine Zinsen an. Man kann sich außerdem von der Rückzahlpflicht zurück stellen lassen, wenn man zu wenig verdient.
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@FrauRettich @mschfr Das wundert mich, weil Bafög-Darlehen eigtl. zinslos sind. In welchem Kontext ist das?
@bpaassen @FrauRettich Ich hab das zu den KfW-Krediten gelesen und die sind wirklich nochmal eine ganz andere Problematik