Meine Frau konnte heute ihre Cousine in der Ukraine nicht erreichen, hat sich Sorgen gemacht. Ich habe versucht, sie zu beruhigen:"Sie ist bestimmt bloß weggefahren und hat das Handy vergessen.""Wohin soll sie denn in ihrem Dorf wegfahren?""Sie muss doch immer noch einkaufen.""Ja, aber Strom ist doch weg, sie kann nicht einkaufen. Selbst Kassengeräte brauchen Strom. ... Meinst du, die haben mechanische Kassen wieder hervorgeholt?""Natürlich haben die das. Für die ist das gar nicht so lang her, die wissen noch, wie das geht."Später hat sich die Cousine doch gemeldet. Es war viel trivialer: sie schläft, während der Strom weg ist, um später was machen zu können, wenn er wieder da ist.Nun könnte man natürlich sagen: nach vier Jahren Krieg gewöhnt man sich an alles. Aber die Wahrheit ist, dass die Ukrainer*innen schon vorher gewohnt waren, mit diversen Einschränkungen zu leben. In der Heimatstadt meiner Frau gab es z.B. lange Zeit Wasser nur zu bestimmten Uhrzeiten, ganz ohne Krieg.Jemand hat kürzlich geschrieben, die deutsche Bevölkerung würde im Kriegsfall sofort nach Kapitulation rufen, weil selbst geringe Einschränkungen der "individuellen Freiheit" nicht hingekommen werden können (siehe Covid-Pandemie und so). Das hört sich plausibel an. Eigentlich ein guter Grund, um die Ukraine massiv zu unterstützen, damit der Krieg eben *nicht* hierher kommt.