Überall heute die Schlagzeilen: Lebenserwartung hängt stärker an den Genen als bisher gedacht.
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voneinander getrennte Summanden zu betrachten, die man irgendwie zu hundert Prozent aufaddieren könnte.
Wenn wir schon genetische Einflüsse und die Wirkung des Lebens miteinander verrechnen wollen, dann sollten wir das Produkt aus Erbe und Umwelt bilden, denn beide Faktoren sind untrennbar miteinander verwoben. Geht einer gen Null, kann der andere noch so nah bei hundert Prozent liegen. Es hilft nichts.
Erbe und Umwelt sind immer im GesprächIn aller Regel wirkt die Umwelt nämlich auf unsere Physiologie, indem sie unseren Stoffwechsel verändert, und das geschieht, indem die Zellen ihre Gene anders benutzen als zuvor. Das ist ein kommunikativer Prozess. Es ist ein Dialog. Es ist nichts, was man in der Mitte durchschneiden und in zwei Hälften zerlegen kann. Dann bleiben nur noch zwei leblose Hälften übrig, die wirklich gar nichts mit sich selbst anfangen können.
Wenn ein Säugling zum Beispiel verhungert, kann ... (2/3)
... seine DNA regelrecht gespickt mit Methusalem-Genen sein, er wird dennoch nicht alt. Umgekehrt kann ein Mensch die allerbesten Umweltbedingungen vorfinden, er stirbt bereits im Mutterleib, wenn er eine schwerwiegende, die gesunde Entwicklung behindernde Mutation geerbt hat.
Klar: Im Labor kann man rein experimentell versuchen, sogenannte intrinsische von extrinsischen Einflüssen zu trennen. Intrinsische oder innere Faktoren wären dann neben den Genen der Lebensstil und die frühkindliche Prägung zum Beispiel. Extrinsisch wären äußere Faktoren wie eine Hungersnot, ein Unfall oder eine Infektionskrankheit.
Bei derartigen Laborexperimenten, die mit Versuchstieren möglich sind, kommt dann auch in schöner Regelmäßigkeit für die Erblichkeit der Lebensdauer ein Wert um die 50 Prozent heraus. Aber ganz abgesehen davon, dass auch dieser Wert erstaunlich niedrig ist: Unser Leben ist nun mal kein Laborexperiment!
... weiter hier: https://9jmt.mjt.lu/nl3/0Jt2DhRnXNdZ5EknYJvPhg
(3/3) -
Überall heute die Schlagzeilen: Lebenserwartung hängt stärker an den Genen als bisher gedacht. Ist es also doch Schicksal, wie alt wir werden? Können wir uns den gesunden Lebensstil sparen?
Nein! Denn unser Leben ist kein Laborexperiment! Erbe und Umwelt lassen sich nicht trennen. Ich ordne die Sache in meinem Newsletter #SporksScienceNews für euch ein:
Liebe Leserïnnen,
(Hamburg, 30.1.2026) diese Woche habe ich mich richtig geärgert. Gestern Abend erschien eine neue „Science“-Studie, die ich vorab lesen durfte. Demnach liegt die Erblichkeit der menschlichen Lebenserwartung bei etwa 55 Prozent. Frühere Studien schätzten diesen Wert auf nur 20 bis 25 Prozent.
Sofern ihr schon mal bei einem meiner Vorträge über Gesundheit und Epigenetik wart, kennt ihr den erstaunlich niedrigen zweiten Zahlenraum. Aber ihr wisst auch, was ich immer dazu sage: dass man bei einem derart komplexen Merkmal wie der Lebenserwartung endlich aufhören sollte, Erbe und Umwelt als ... (1/3)
@SporkPeter @riffreporter sehr schöne Zusammenfassung der Anlage-Umwelt Problematik, die sowieso alle Lebensbereiche von der Zeugung bis zum Tod erfasst. Das dabei auch der eigene Wille, Interessen etc. eine ebenso wichtige Rolle spielt, wird im Verdrängungskontext sowieso übersehen. Tolle Arbeit!
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@SporkPeter @riffreporter sehr schöne Zusammenfassung der Anlage-Umwelt Problematik, die sowieso alle Lebensbereiche von der Zeugung bis zum Tod erfasst. Das dabei auch der eigene Wille, Interessen etc. eine ebenso wichtige Rolle spielt, wird im Verdrängungskontext sowieso übersehen. Tolle Arbeit!
Danke
@schoeni13 @riffreporter -
... seine DNA regelrecht gespickt mit Methusalem-Genen sein, er wird dennoch nicht alt. Umgekehrt kann ein Mensch die allerbesten Umweltbedingungen vorfinden, er stirbt bereits im Mutterleib, wenn er eine schwerwiegende, die gesunde Entwicklung behindernde Mutation geerbt hat.
Klar: Im Labor kann man rein experimentell versuchen, sogenannte intrinsische von extrinsischen Einflüssen zu trennen. Intrinsische oder innere Faktoren wären dann neben den Genen der Lebensstil und die frühkindliche Prägung zum Beispiel. Extrinsisch wären äußere Faktoren wie eine Hungersnot, ein Unfall oder eine Infektionskrankheit.
Bei derartigen Laborexperimenten, die mit Versuchstieren möglich sind, kommt dann auch in schöner Regelmäßigkeit für die Erblichkeit der Lebensdauer ein Wert um die 50 Prozent heraus. Aber ganz abgesehen davon, dass auch dieser Wert erstaunlich niedrig ist: Unser Leben ist nun mal kein Laborexperiment!
... weiter hier: https://9jmt.mjt.lu/nl3/0Jt2DhRnXNdZ5EknYJvPhg
(3/3)Statistik macht halt keine Aussagen über den Einzelfall….
Ich empfinde in der Wissenschaftskommunikation die Vermittlung von Statistik in welchem Kontext auch immer mit am schwierigsten.
Klar gibt es Bilder dafür, Wahrscheinlichkeiten zu erläutern. Aber das tiefe Verständnis, wie Statistik im Einzelfall gebildet wird und was sie aussagt bzw. nicht aussagt, da habe ich noch keinen wirklich guten Weg gefunden.
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Statistik macht halt keine Aussagen über den Einzelfall….
Ich empfinde in der Wissenschaftskommunikation die Vermittlung von Statistik in welchem Kontext auch immer mit am schwierigsten.
Klar gibt es Bilder dafür, Wahrscheinlichkeiten zu erläutern. Aber das tiefe Verständnis, wie Statistik im Einzelfall gebildet wird und was sie aussagt bzw. nicht aussagt, da habe ich noch keinen wirklich guten Weg gefunden.
Ja, Danke, das stimmt. Aber hier geht es nicht nur um Statistik. Es geht um die methodische Frage, inwieweit intrinsische und extrinsische Umwelteeinflüsse tatsächlich voneinander zu trennen sind und ob man die leidige Erbe/Umwelt-Diskussion nicht endlich mal ad acta legen sollte
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Ja, Danke, das stimmt. Aber hier geht es nicht nur um Statistik. Es geht um die methodische Frage, inwieweit intrinsische und extrinsische Umwelteeinflüsse tatsächlich voneinander zu trennen sind und ob man die leidige Erbe/Umwelt-Diskussion nicht endlich mal ad acta legen sollte
Sure, aber steckt dahinter nicht auch ein Missverständnis bzgl. Statistik und was sie aussagen soll?
Bzw. welche Motivation hinter der Forschung steht?
Mir scheint, es geht eher den Autor*innen eher um die Rechtfertigung von genetischer Forschung auf diesem Gebiet und weniger um public health.
Oder ist genau das Dein Kritikpunkt? Weniger gentechnische medizinische Forschung und mehr public health aufgezogen an diesem Artikel?
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Sure, aber steckt dahinter nicht auch ein Missverständnis bzgl. Statistik und was sie aussagen soll?
Bzw. welche Motivation hinter der Forschung steht?
Mir scheint, es geht eher den Autor*innen eher um die Rechtfertigung von genetischer Forschung auf diesem Gebiet und weniger um public health.
Oder ist genau das Dein Kritikpunkt? Weniger gentechnische medizinische Forschung und mehr public health aufgezogen an diesem Artikel?
Hast du den ganzen Newsletter gelesen? ich denke, darin wird ziemlich deutlich, worum es mir geht: Dass die Aussage der natürlich sehr wichtigen Studie aus PR-Gründen in eine Richtung zugespitzt wird, in die sie nicht gehört.
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... seine DNA regelrecht gespickt mit Methusalem-Genen sein, er wird dennoch nicht alt. Umgekehrt kann ein Mensch die allerbesten Umweltbedingungen vorfinden, er stirbt bereits im Mutterleib, wenn er eine schwerwiegende, die gesunde Entwicklung behindernde Mutation geerbt hat.
Klar: Im Labor kann man rein experimentell versuchen, sogenannte intrinsische von extrinsischen Einflüssen zu trennen. Intrinsische oder innere Faktoren wären dann neben den Genen der Lebensstil und die frühkindliche Prägung zum Beispiel. Extrinsisch wären äußere Faktoren wie eine Hungersnot, ein Unfall oder eine Infektionskrankheit.
Bei derartigen Laborexperimenten, die mit Versuchstieren möglich sind, kommt dann auch in schöner Regelmäßigkeit für die Erblichkeit der Lebensdauer ein Wert um die 50 Prozent heraus. Aber ganz abgesehen davon, dass auch dieser Wert erstaunlich niedrig ist: Unser Leben ist nun mal kein Laborexperiment!
... weiter hier: https://9jmt.mjt.lu/nl3/0Jt2DhRnXNdZ5EknYJvPhg
(3/3)@SporkPeter @riffreporter Und wie immer bei solchen Aussagen bin ich mir nicht sicher, inwiefern die Wissenschafter Ursache und Wirkung verwechseln. Oder wie Du im zweiten Teil ausführst, dass beide immer irgendwie interagieren.
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@SporkPeter @riffreporter Und wie immer bei solchen Aussagen bin ich mir nicht sicher, inwiefern die Wissenschafter Ursache und Wirkung verwechseln. Oder wie Du im zweiten Teil ausführst, dass beide immer irgendwie interagieren.
Naja, die Wissenschaftler*innen wissen glaube ich in der Regel ziemlich genau, was sie wissen und was nicht. Bei der Wissenschaftskommunikation bin ich mir da nicht immer so sicher.
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Naja, die Wissenschaftler*innen wissen glaube ich in der Regel ziemlich genau, was sie wissen und was nicht. Bei der Wissenschaftskommunikation bin ich mir da nicht immer so sicher.
Das auch.
Wollte das zuerst auch so reinnehmen. Aber ich denke tatsächlich, dass es diesen Bias gibt, nämlich dass erkannte Korrelationen schnell mal dem Ursache/Wirkungs-Dualismus zugeschrieben werden. Da geht es nicht so sehr ums Bewusstsein, was alles ausserhalb der Theorie (also Nichtwissen) ist, sondern auch um Voreingenommenheit.
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