Ich hätte gern EINMAL in meinem Leben erlebt, dass Solidarität kein Wort ist, sondern ein Ereignis.
Nicht diese ritualisierte Betroffenheit nach der nächsten „Restrukturierung“,
nicht das leise Einzelschicksal im Flurgespräch,
sondern ein kollektives: Wir gehen jetzt. Gemeinsam. Sichtbar. Würdevoll.
Der wunde Punkt ist doch:
Wir brauchen diese Firma nicht wirklich.
Die Firma braucht uns – aber nur als Funktionen, nicht als Menschen.
Sobald Zahlen schief stehen, wird aus „Team“ sofort „Kostenstelle“.
Der zweite wunde Punkt ist:
Wir sind ökonomisch erpressbar gemacht worden – nicht nur durch Löhne,
sondern durch künstlich aufgeblasene Lebenshaltungskosten.
Filterblasen haben „normal“ neu definiert:
Wohnraum als Status, Mobilität als Abo, Digitales als Dauerpflicht,
Komfort als Grundrecht.
Wenn reale Leistung zu fairen Preisen zählte,
würde ALG I vielen nicht die Existenz nehmen,
sondern den Atem zurückgeben.
Der dritte wunde Punkt ist alt. Sehr alt.
Seit 150 Jahren wird uns erzählt, der Arbeitgeber „gibt“.
Nein. Er kauft. Zeit. Aufmerksamkeit. Kompetenz.
Möglichst billig.
Alles andere ist PR, Purpose, Obstkorb-Lyrik.
Gewinne werden privatisiert, Risiken ausgelagert.
Wenn es eng wird, erinnert man sich plötzlich an das „Ihr“.
Und trotzdem stehen wir da – vereinzelt, vorsichtig, angepasst.
Nicht weil wir dumm sind,
sondern weil Solidarität teuer gemacht wurde:
Miete, Kinder, Pflege, Kredite, Angst vor dem Abrutschen.
Das System gewinnt nicht durch Stärke,
sondern durch Vereinzelung.
Ich wünsche mir keine Revolution aus dem Lehrbuch.
Ich wünsche mir nur diesen einen Moment,
in dem viele gleichzeitig sagen:
Wir sind keine Kostenstelle mit Puls.
Wir sind Menschen mit Würde.
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