"Kommunikation ist, was ankommt."
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"Kommunikation ist, was ankommt." (Es gibt wenig Sätze, die aus meiner Studienzeit so nachhallen wie dieser, auch weil er sich fast täglich irgendwo irgendwie wieder manifestiert...)
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"Kommunikation ist, was ankommt." (Es gibt wenig Sätze, die aus meiner Studienzeit so nachhallen wie dieser, auch weil er sich fast täglich irgendwo irgendwie wieder manifestiert...)@z428eu Ich habe jedoch den Eindruck: Es kommt immer weniger an. Selbst bei Wiederholung. Vor geraumer Zeit konnten wir noch in ganzen Sätzen kommunizieren. Das ist inzwischen für immer mehr Menschen zu viel. Die heutige Kommunikation beschränkt sich auf Wortgruppen tendierend zu nur noch einzelnen Worten. Dabei stellt sich mir die Frage: Werden wir irgendwann nur noch mit Lauten kommunizieren? Wenn dann dieser Zustand erreicht ist, erfinden wir bestimmt die Sprache. Ganz einfach um besser kommunizieren zu können?
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@z428eu Ich habe jedoch den Eindruck: Es kommt immer weniger an. Selbst bei Wiederholung. Vor geraumer Zeit konnten wir noch in ganzen Sätzen kommunizieren. Das ist inzwischen für immer mehr Menschen zu viel. Die heutige Kommunikation beschränkt sich auf Wortgruppen tendierend zu nur noch einzelnen Worten. Dabei stellt sich mir die Frage: Werden wir irgendwann nur noch mit Lauten kommunizieren? Wenn dann dieser Zustand erreicht ist, erfinden wir bestimmt die Sprache. Ganz einfach um besser kommunizieren zu können?@steffen Ich bin versucht, über Vilém Flusser und den Wandel der Kommunikation von Text zurück zu (Techno-)Bildern zu sinnieren...
Aber zumindest in meiner Beobachtung ist das Problem ein anderes - nämlich das immer mehr schwindende Vermögen (oder der Willen?) beider Seiten von Kommunikationsbeziehungen, einander verstehen zu wollen und einzuräumen, dass Missverständnisse eben die Folge verschiedener Weltsichten, verschiedener Realitäten, ... sind und nicht notwendigerweise die Ursache absichtlicher Ignoranz, Boshaftigkeit oder Sturheit. Und ich hab sehr viel mehr Ideen, woran das liegen könnte, als Ideen, wie man dem beikommen kann. (Aber vielleicht liege ich ja ohnehin auch komplett falsch, who knows.)
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@steffen Ich bin versucht, über Vilém Flusser und den Wandel der Kommunikation von Text zurück zu (Techno-)Bildern zu sinnieren...
Aber zumindest in meiner Beobachtung ist das Problem ein anderes - nämlich das immer mehr schwindende Vermögen (oder der Willen?) beider Seiten von Kommunikationsbeziehungen, einander verstehen zu wollen und einzuräumen, dass Missverständnisse eben die Folge verschiedener Weltsichten, verschiedener Realitäten, ... sind und nicht notwendigerweise die Ursache absichtlicher Ignoranz, Boshaftigkeit oder Sturheit. Und ich hab sehr viel mehr Ideen, woran das liegen könnte, als Ideen, wie man dem beikommen kann. (Aber vielleicht liege ich ja ohnehin auch komplett falsch, who knows.)@z428eu Bei dem, was du schreibst, fällt mir ein: Ich hatte vor einigen Jahren ein Gespräch mit einer Doktorin, die mir damals sagte (Kurzfassung), dass einfach denkende Menschen in Bildern denken und intelligentere Menschen in Worten, besser gesagt in Sätzen. Wir sprachen über eine Art mehrdimensionales / mehrstufiges Denken von Menschen unterschiedlicher Intelligenz.
Das hat meiner Meinung nach nicht mehr viel damit zu tun, in welche Richtung sich die heutige Form der Bemühungen, sich möglichst eineindeutig ausdrücken zu können, entwickelt.
Ich unterstelle damit ebenfalls keine "Ignoranz, Boshaftigkeit oder Sturheit" als eher Bequemlichkeit. Der Anspruch auf Einfachheit wird gemäß meiner Beobachtung immer größer und verliert damit immer mehr an Berechtigung.
"Kommunikationsbeziehungen, einander verstehen zu wollen ..." und gegebenenfalls auch die Bemühung zu hinterfragen, ... da müssen wir wieder hin.
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@z428eu Bei dem, was du schreibst, fällt mir ein: Ich hatte vor einigen Jahren ein Gespräch mit einer Doktorin, die mir damals sagte (Kurzfassung), dass einfach denkende Menschen in Bildern denken und intelligentere Menschen in Worten, besser gesagt in Sätzen. Wir sprachen über eine Art mehrdimensionales / mehrstufiges Denken von Menschen unterschiedlicher Intelligenz.
Das hat meiner Meinung nach nicht mehr viel damit zu tun, in welche Richtung sich die heutige Form der Bemühungen, sich möglichst eineindeutig ausdrücken zu können, entwickelt.
Ich unterstelle damit ebenfalls keine "Ignoranz, Boshaftigkeit oder Sturheit" als eher Bequemlichkeit. Der Anspruch auf Einfachheit wird gemäß meiner Beobachtung immer größer und verliert damit immer mehr an Berechtigung.
"Kommunikationsbeziehungen, einander verstehen zu wollen ..." und gegebenenfalls auch die Bemühung zu hinterfragen, ... da müssen wir wieder hin.
@steffen Ja, das sind Dinge, die da sicher mit 'reinspielen. Ich glaube aber eben auch, dass es komplexer ist.
Konkret bei dem Punkt Bequemlichkeit werde ich selbst nervös. Ich hab auch lange und oft so argumentiert. Aber ich habe in den letzten Jahren, insbesondere auch im Fediverse, gemerkt, dass ich dort enorm privilegiert bin. Ich darf dankbar sein für eine Jugend und eine Ausbildung, in der ich Dinge lernen durfte. Ich hab Zeit, mich mit vielen Themen jenseits alltäglicher Lebenshaltung zu beschäftigen. Ich hab Kraft, auch mal gedanklich dickere Bretter zu bohren, zumindest meistens. Und ich weiß genau, dass ich dies auch trotzdem nur in einem sehr beschränkten Themenbereich tun kann, in dem ich rudimentär Ahnung habe - und in der absoluten Mehrzahl der Spezialisierungen, die die Gesellschaft dieser Tage auszeichnet, auch auf Einfachheit angewiesen bin, um überhaupt irgendeinen Zugang zu diesen Bereichen zu haben. Die Jahre im Internet, im Fediverse und Gespräche, Begegnungen, teilweise auch Zusammenstöße mit sehr verschiedenen Menschen haben mich dort extrem demütig gemacht. An vielen Stellen sehe ich die Gefahr durch den Anspruch auf Einfachheit allerorten genau so wie Du - aber eben sehe ich derzeit auch, dass diese Einfachheit für andere die Frage entscheidet, ob sie an Themen, Diskursen, ... überhaupt teilhaben können oder von vornherein ausgeschlossen sind. Diese Balance zu finden gelingt vermutlich nur, wenn man sich gegenseitig überhaupt erstmal in seinen Bedürfnissen, Möglichkeiten, Einschränkungen wahrnimmt.
(Wie gesagt - alles sehr subjektive Reflektionen...)
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@steffen Ja, das sind Dinge, die da sicher mit 'reinspielen. Ich glaube aber eben auch, dass es komplexer ist.
Konkret bei dem Punkt Bequemlichkeit werde ich selbst nervös. Ich hab auch lange und oft so argumentiert. Aber ich habe in den letzten Jahren, insbesondere auch im Fediverse, gemerkt, dass ich dort enorm privilegiert bin. Ich darf dankbar sein für eine Jugend und eine Ausbildung, in der ich Dinge lernen durfte. Ich hab Zeit, mich mit vielen Themen jenseits alltäglicher Lebenshaltung zu beschäftigen. Ich hab Kraft, auch mal gedanklich dickere Bretter zu bohren, zumindest meistens. Und ich weiß genau, dass ich dies auch trotzdem nur in einem sehr beschränkten Themenbereich tun kann, in dem ich rudimentär Ahnung habe - und in der absoluten Mehrzahl der Spezialisierungen, die die Gesellschaft dieser Tage auszeichnet, auch auf Einfachheit angewiesen bin, um überhaupt irgendeinen Zugang zu diesen Bereichen zu haben. Die Jahre im Internet, im Fediverse und Gespräche, Begegnungen, teilweise auch Zusammenstöße mit sehr verschiedenen Menschen haben mich dort extrem demütig gemacht. An vielen Stellen sehe ich die Gefahr durch den Anspruch auf Einfachheit allerorten genau so wie Du - aber eben sehe ich derzeit auch, dass diese Einfachheit für andere die Frage entscheidet, ob sie an Themen, Diskursen, ... überhaupt teilhaben können oder von vornherein ausgeschlossen sind. Diese Balance zu finden gelingt vermutlich nur, wenn man sich gegenseitig überhaupt erstmal in seinen Bedürfnissen, Möglichkeiten, Einschränkungen wahrnimmt.
(Wie gesagt - alles sehr subjektive Reflektionen...)
@z428eu "..., ob sie an Themen, Diskursen, ... überhaupt teilhaben können oder von vornherein ausgeschlossen sind."
Meiner Meinung nach muss jeder Mensch genau wissen, ob er sich auf Grund von zu wenig Themenwissen enthalten sollte. Das muss nicht zwangsläufig Ausschluss bedeuten. Vor geraumer Zeit war das noch gängige Disziplin. Aktuell meint jeder überall mitreden zu müssen oder zumindest ein Recht darauf zu haben. Ein mögliches Mitspracherecht verliert sich aber automatisch bei zu wenig Wissen. So meine Wahrnehmung und Meinung.Und andersherum? Wer ein bestimmtes Ziele hat, kommt teilweise um ein entsprechendes Basiswissen nicht herum. Dieses Basiswissen ist einigen Menschen zu viel, zu schwierig, zu komplex, ... Und dann kommt der Anspruch auf Einfachheit, der jedoch in manchen Situationen nicht erfüllbar ist. An der Stelle sollte Zurückhaltung / Rückzug die Pflicht sein.
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@z428eu "..., ob sie an Themen, Diskursen, ... überhaupt teilhaben können oder von vornherein ausgeschlossen sind."
Meiner Meinung nach muss jeder Mensch genau wissen, ob er sich auf Grund von zu wenig Themenwissen enthalten sollte. Das muss nicht zwangsläufig Ausschluss bedeuten. Vor geraumer Zeit war das noch gängige Disziplin. Aktuell meint jeder überall mitreden zu müssen oder zumindest ein Recht darauf zu haben. Ein mögliches Mitspracherecht verliert sich aber automatisch bei zu wenig Wissen. So meine Wahrnehmung und Meinung.Und andersherum? Wer ein bestimmtes Ziele hat, kommt teilweise um ein entsprechendes Basiswissen nicht herum. Dieses Basiswissen ist einigen Menschen zu viel, zu schwierig, zu komplex, ... Und dann kommt der Anspruch auf Einfachheit, der jedoch in manchen Situationen nicht erfüllbar ist. An der Stelle sollte Zurückhaltung / Rückzug die Pflicht sein.
@steffen Ich versteh Dich, seh's aber zumindest in Teilen anders. Zwei Punkte dazu treiben mich um.
Zum einen: Am Ende des Tages sind wir eine Demokratie, was bedeutet, dass Menschen in der Breite über politische Gestaltung einer Gesellschaft entscheiden müssen. Und das passiert derzeit unter dem Vorzeichen immer weiter zunehmender Komplexität in quasi allen Lebenslagen. Das setzt voraus, dass Komplexität in einer Art und Weise formuliert wird, dass /jeder/ in der Demokratie imstande ist, diese Dinge zu verstehen und halbwegs qualifiziert darüber zu befinden. Idealerweise scheint es wünschenswert, das so zu handhaben, pessimistisch bzw realpolitisch empfinde ich es als dringliches Gebot der Stunde, das zu versuchen, weil sonst andere Kräfte dem Wunsch / Bedürfnis nach Einfachheit entsprechen, und das wollen wir möglicherweise nicht.
Zum zweiten: Mitunter erlebe ich diesen Widerspruch gegen Einfachheit leider auch als eine gewisse Abwehrhaltung derer, die die Komplexität beherrschen und sich damit sicher und überlegen fühlen. Das ist (leider) auch ein Konzept, das schon funktionierte, als die Kirche noch auf Latein gepredigt hat, und jetzt auch beispielsweise noch in der Medizin funktioniert und jeder erlebt hat, der schon mal in einem Krankenhausbett lag und irritiert bis verloren teilweise unnahbaren Ärzten gelauscht hat, die sich in einer unverständlichen Fachsprache über den eigenen Fall ausgetauscht und dann manchmal sehr herablassend eine knappe Erklärung in laienhafter Sprache dazu von sich gegeben haben. Das ist immer wieder eine sehr verstörende Erfahrung und ein potentiell schmerzhaftes Machtgefälle.
Manchmal frage ich mich an dem Punkt, ob wir es nicht grundlegend andersherum angehen müssten: Es gibt in der Gesellschaft einen Konsens an Wissen, den man irgendwie bei jedem Menschen voraussetzen kann - und das ist der Wissensstand, den man mit Abschluss der verpflichtenden Schulbildung haben sollte? Wäre es erforderlich, entweder dieses Niveau allgemein zu heben - oder aber eben Komplexität so zu erklären, dass sie mit diesem Wissen verständlich wird?
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@steffen Ich versteh Dich, seh's aber zumindest in Teilen anders. Zwei Punkte dazu treiben mich um.
Zum einen: Am Ende des Tages sind wir eine Demokratie, was bedeutet, dass Menschen in der Breite über politische Gestaltung einer Gesellschaft entscheiden müssen. Und das passiert derzeit unter dem Vorzeichen immer weiter zunehmender Komplexität in quasi allen Lebenslagen. Das setzt voraus, dass Komplexität in einer Art und Weise formuliert wird, dass /jeder/ in der Demokratie imstande ist, diese Dinge zu verstehen und halbwegs qualifiziert darüber zu befinden. Idealerweise scheint es wünschenswert, das so zu handhaben, pessimistisch bzw realpolitisch empfinde ich es als dringliches Gebot der Stunde, das zu versuchen, weil sonst andere Kräfte dem Wunsch / Bedürfnis nach Einfachheit entsprechen, und das wollen wir möglicherweise nicht.
Zum zweiten: Mitunter erlebe ich diesen Widerspruch gegen Einfachheit leider auch als eine gewisse Abwehrhaltung derer, die die Komplexität beherrschen und sich damit sicher und überlegen fühlen. Das ist (leider) auch ein Konzept, das schon funktionierte, als die Kirche noch auf Latein gepredigt hat, und jetzt auch beispielsweise noch in der Medizin funktioniert und jeder erlebt hat, der schon mal in einem Krankenhausbett lag und irritiert bis verloren teilweise unnahbaren Ärzten gelauscht hat, die sich in einer unverständlichen Fachsprache über den eigenen Fall ausgetauscht und dann manchmal sehr herablassend eine knappe Erklärung in laienhafter Sprache dazu von sich gegeben haben. Das ist immer wieder eine sehr verstörende Erfahrung und ein potentiell schmerzhaftes Machtgefälle.
Manchmal frage ich mich an dem Punkt, ob wir es nicht grundlegend andersherum angehen müssten: Es gibt in der Gesellschaft einen Konsens an Wissen, den man irgendwie bei jedem Menschen voraussetzen kann - und das ist der Wissensstand, den man mit Abschluss der verpflichtenden Schulbildung haben sollte? Wäre es erforderlich, entweder dieses Niveau allgemein zu heben - oder aber eben Komplexität so zu erklären, dass sie mit diesem Wissen verständlich wird?
@z428eu Im Bereich der Demokratie bezüglich des Anspruchs auf Einfachheit wird es in diesem Rahmen wahrscheinlich etwas schwierig. Eventuell organisieren wir zum Thema mal eine Online-Diskussionsrunde.
Auf jeden Fall, so denke ich zumindest, hat auch die Demokratie bezüglich demokratischer Entscheidungen ihre Grenzen. Und ja, derzeit ist die Lage genau wie du schreibst, gefährlich, gerade weil der Anspruch auf Einfachheit die antidemokratischen Kräfte ins Spiel bringt. Und das sollte dringend vermieden werden.Dein Beispiel aus dem medizinischen Bereich kann ich sehr gut nachvollziehen. Ähnliche Erfahrungen hatte ich bereits vor Gericht im Bereich Recht.
Wir können tatsächlich nicht in alle Fachbereiche tief genug vordringen, um mitreden zu können. Aber wir können erwarten, dass Spezialwissende ihr Wissen nicht zum eigenen Vorteil unehrenhaft gegen entsprechend Unwissende ausnutzen. Leider können wir das nicht verhindern. Darum sollte jeder bemüht sein, sich zumindest so viel Wissen / Allgemeinwissen anzueignen, um eine mögliche Benachteiligung mangels Tiefenwissen erkennen zu können.
Ich komme allerdings mit meinen Beschreibungen bezüglich Anspruch auf Einfachheit aus dem Bereich Ausbildung. Wir können uns immer mehr Mühe geben, fachliche Inhalte so verständlich wie möglich zu machen. Und wir geben uns dabei sehr viel Mühe. Dennoch kommt immer wieder dieser Satz: "Das ist zu kompliziert." Oder: "Das muss einfacher gehen." Oder sogar: " Muss ich das wirklich alles wissen?" Letztendlich sollten einige Menschen verstehen, dass jeder eine Grenze hat und darum nicht jedes Fachthema für jeden geeignet ist. Hier ist Selbstkritikfähigkeit notwendig.
Wir müssen natürlich alle auch Vertrauen denjenigen gegenüber mitbringen können, die in speziellen Bereichen mehr Wissen haben als wir selbst. Und damit stimme ich dir zu, wenn du sagst, dass einige "sich damit sicher und überlegen fühlen." Ich ergänze noch: Sie fühlen sich nicht nur sicher und überlegen, sie genießen diesen Zustand und nutzen ihn für sich oder ihre Ziele aus.
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@z428eu Im Bereich der Demokratie bezüglich des Anspruchs auf Einfachheit wird es in diesem Rahmen wahrscheinlich etwas schwierig. Eventuell organisieren wir zum Thema mal eine Online-Diskussionsrunde.
Auf jeden Fall, so denke ich zumindest, hat auch die Demokratie bezüglich demokratischer Entscheidungen ihre Grenzen. Und ja, derzeit ist die Lage genau wie du schreibst, gefährlich, gerade weil der Anspruch auf Einfachheit die antidemokratischen Kräfte ins Spiel bringt. Und das sollte dringend vermieden werden.Dein Beispiel aus dem medizinischen Bereich kann ich sehr gut nachvollziehen. Ähnliche Erfahrungen hatte ich bereits vor Gericht im Bereich Recht.
Wir können tatsächlich nicht in alle Fachbereiche tief genug vordringen, um mitreden zu können. Aber wir können erwarten, dass Spezialwissende ihr Wissen nicht zum eigenen Vorteil unehrenhaft gegen entsprechend Unwissende ausnutzen. Leider können wir das nicht verhindern. Darum sollte jeder bemüht sein, sich zumindest so viel Wissen / Allgemeinwissen anzueignen, um eine mögliche Benachteiligung mangels Tiefenwissen erkennen zu können.
Ich komme allerdings mit meinen Beschreibungen bezüglich Anspruch auf Einfachheit aus dem Bereich Ausbildung. Wir können uns immer mehr Mühe geben, fachliche Inhalte so verständlich wie möglich zu machen. Und wir geben uns dabei sehr viel Mühe. Dennoch kommt immer wieder dieser Satz: "Das ist zu kompliziert." Oder: "Das muss einfacher gehen." Oder sogar: " Muss ich das wirklich alles wissen?" Letztendlich sollten einige Menschen verstehen, dass jeder eine Grenze hat und darum nicht jedes Fachthema für jeden geeignet ist. Hier ist Selbstkritikfähigkeit notwendig.
Wir müssen natürlich alle auch Vertrauen denjenigen gegenüber mitbringen können, die in speziellen Bereichen mehr Wissen haben als wir selbst. Und damit stimme ich dir zu, wenn du sagst, dass einige "sich damit sicher und überlegen fühlen." Ich ergänze noch: Sie fühlen sich nicht nur sicher und überlegen, sie genießen diesen Zustand und nutzen ihn für sich oder ihre Ziele aus.
Ich verstehe deinen Punkt, aber ich sehe auch die andere Seite.
Ein Grundprinzip der Kommunikation ist auch, den anderen da abzuholen, wo er steht.
Ein anderes, das ich selbst immer wieder beherzige: "Wenn du es nicht einem Kind erklären kannst, hast du es nicht wirklich verstanden".
Natürlich hat das Grenzen, einfach um des Aufwands wegen, aber ich halte es für eine gute Richtschnur, wenn dein Publikum nicht nur aus Fachpersonen besteht.