Immer wieder spannend welche Debatten gleichzeitig geführt werden, in sich widersprüchlich sind und trotzdem in erster Linie stark von Neolibs geprägt werden.
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Immer wieder spannend welche Debatten gleichzeitig geführt werden, in sich widersprüchlich sind und trotzdem in erster Linie stark von Neolibs geprägt werden. Die Tech Branche behauptet seit Monaten Ki-Systeme würden uns in naher Zukunft zu großen Teilen arbeitslos machen; wäre ja schön, denn dann könnten wir alle unsere Lebenszeit für sinnvolleres einsetzen. Gleichzeitig gibt es seit Monaten Angriffe auf gewerkschaftlich erkämpfte Rechte, derzeit geht es um das Recht auf Teilzeit. In jeder Debatte schwingt mit: "wir arbeiten zu wenig". Wer mit "wir" gemeint wird, bleibt dabei stets offen. Sie werden außerdem nicht müde "unsere Freiheit" zu verteidigen. Für wen diese Freiheit tatsächlich gilt, bleibt dabei stets offen.
Die Freiheit, darüber zu entscheiden wie wir unsere Lebenszeit gestalten, kann es jedenfalls nicht sein. Schließlich sollen wir gleichzeitig unsere hochverdichtete Arbeit in Vollzeit verrichten, unsere Kinder großziehen, unsere Angehörigen pflegen, einem Ehrenamt nachgehen und all die Lücken stopfen in denen sie den Sozialstaat seit Monaten weiter kleinknüppeln.Da reden dann wohlhabende Politiker beim Thema Teilzeit über eine vermeintliche Ungerechtigkeit, weil nicht alle gleich viel in die Sozialsysteme einzahlen und trotzdem davon profitieren. Gleichzeitig zahlen sie selbst keinen Cent in diese Kassen.
Ich hatte es letztens schon Mal gesagt: Die Debatte ist kaputt. Nach der Empörungswelle ist vor der Empörungswelle. Langfristige Organisation folgt darauf kaum. Auf jeden Angriff folgt eine defensive Debatte. Dann diskutieren wir darüber, welchen Feiertag wir am ehesten streichen könnten oder welcher von den Teilzeitbeschäftigten da draußen ein fauler Lifestyle-Beschäftigter ist und welcher nicht. Wer von uns ist der bessere, fleißigere Beschäftigte in Teilzeit?
Über Menschen im Leistungsbezug diskutieren wir das schon gar nicht mehr, da ist das Framing bereits perfekt: Alle faul und nicht willig. Die Lebensrealität spielt keine Rolle. Dabei sind so viele Menschen arm, trotz Arbeit. "Unsere Freiheit" gilt eben begrenzt. Nicht für alle. Und mit "wir" arbeiten zu wenig, sind meistens die anderen gemeint. Nicht die Herrschenden. Benennen wir es endlich als das was es ist: Klassenkampf von oben. -
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