In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
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In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
Ich würde nie in Frage stellen, dass jemand ggf. mit hundert Jahren noch merken kann: hoppla, ich bin nicht-binär / trans / wasauchimmer. Oder dass für manche Menschen wechselnde Labels jeweils eine Zeitlang gut passen.
Aber ist nicht de facto für die Mehrheit der Menschen irgendwann mal klar, was sie sind und das ändert sich dann auch nicht mehr?
In der generalisierenden Formulierung vom "nie abgeschlossenen Prozess" schwingt für mich etwas mit, das mich stört. Ich höre da auch eine Forderung, eine Normierung und irgendwie auch eine Wertung: Horche immer in dich hinein, ob sich da nicht vielleicht plötzlich eine Geschlechtsidentität regt, von der du bisher noch gar nichts ahnst! Du kannst dir nie für immer sicher sein! Es wird sich bestimmt noch mal was ändern! Da schwingt auch eine Höherbewertung von Fluidität gegenüber Stabilität mit, als wäre jene ein Wert an sich und diese immer von Übel. Und nicht zuletzt schwingt die Idee mit, dass jede Person sich ihr Leben lang mit Geschlechtsidentitätsfindung als permanentem Teil des eigenen Lebens beschäftigen solle oder zwangsläufig müsse, um nicht versehentlich ein Leben unter falscher Flagge zu führen.
Was aber, wenn man nach gründlicher Selbsterforschung oder ganz von selbst wo angekommen ist und es überhaupt keinen Grund gibt, das immer wieder in Frage zu stellen? Was, wenn man gar keine Geschlechtsidentität fühlt und mit dem Zeug einfach möglichst endgültig in Ruhe gelassen werden möchte?
Kann dieser Findungsprozess wirklich niemals abgeschlossen sein? Sorry, ich halte das in dieser Verallgemeinerung für Unsinn. Oder ich verstehe vielleicht etwas falsch.
Eure Ideen dazu interessieren mich.
@der_zaunfink "geschlechtliche Identitätsfindung" ist für mich ein unklarer Begriff, der sehr viel umfassen könnte, z.B. auch geschlechtliche Rollenbilder. Und da würde ich schon eher dazu tendieren, dass da noch bis ins hohe Alter Entwicklungen stattfinden können.
Ich kann ein bisschen nachvollziehen, was due meinst, aber ich denke, es ist eher positiv gemeint im Sinne von "es ist nie zu spät, z.B. noch zu transitionieren".
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@der_zaunfink also ich würde der aussage grundsätzlich zustimmen, aber sehe das eher wie so eine asymptote. je länger man sich mit dem eigenen geschlecht beschäftigt, desto sicherer ist man sich, aber es kann trotzdem mal irgendeine neue erkenntnis dazukommen. die werden aber immer kleiner mit der zeit und ich denke so ein riesen umbruch kommt eher selten, außer es wurde zb aktiv für viele jahre unterdrückt. ich sehe das jetzt nicht so, dass man das ganze leben lang darauf vorbereitet sein muss jetzt doch nochmal ganz anders zu werden (auch weil es in der realtiät nicht so häufig passiert)
@kate @der_zaunfink Würde das auch ähnlich sehen. "Leben heißt Veränderung" und da würde ich das Gender nicht ausnehmen.
Auch wenn die Änderungen bei den meisten Menschen sehr wahrscheinlich irgendwann kleiner & subtiler werden und mehr in die Richtung gehen "wie definiere ich eigentlich $Label". -
In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
Ich würde nie in Frage stellen, dass jemand ggf. mit hundert Jahren noch merken kann: hoppla, ich bin nicht-binär / trans / wasauchimmer. Oder dass für manche Menschen wechselnde Labels jeweils eine Zeitlang gut passen.
Aber ist nicht de facto für die Mehrheit der Menschen irgendwann mal klar, was sie sind und das ändert sich dann auch nicht mehr?
In der generalisierenden Formulierung vom "nie abgeschlossenen Prozess" schwingt für mich etwas mit, das mich stört. Ich höre da auch eine Forderung, eine Normierung und irgendwie auch eine Wertung: Horche immer in dich hinein, ob sich da nicht vielleicht plötzlich eine Geschlechtsidentität regt, von der du bisher noch gar nichts ahnst! Du kannst dir nie für immer sicher sein! Es wird sich bestimmt noch mal was ändern! Da schwingt auch eine Höherbewertung von Fluidität gegenüber Stabilität mit, als wäre jene ein Wert an sich und diese immer von Übel. Und nicht zuletzt schwingt die Idee mit, dass jede Person sich ihr Leben lang mit Geschlechtsidentitätsfindung als permanentem Teil des eigenen Lebens beschäftigen solle oder zwangsläufig müsse, um nicht versehentlich ein Leben unter falscher Flagge zu führen.
Was aber, wenn man nach gründlicher Selbsterforschung oder ganz von selbst wo angekommen ist und es überhaupt keinen Grund gibt, das immer wieder in Frage zu stellen? Was, wenn man gar keine Geschlechtsidentität fühlt und mit dem Zeug einfach möglichst endgültig in Ruhe gelassen werden möchte?
Kann dieser Findungsprozess wirklich niemals abgeschlossen sein? Sorry, ich halte das in dieser Verallgemeinerung für Unsinn. Oder ich verstehe vielleicht etwas falsch.
Eure Ideen dazu interessieren mich.
@der_zaunfink
Ich möchte die zitierte Aussage in deinem Post gerne als Forderung nach einer offenen Tür verstehen, nicht als Aufforderung, dass alle da durch gehen müssen. Aber wahrscheinlich gibt es auch Leute, die das fordern. -
In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
Ich würde nie in Frage stellen, dass jemand ggf. mit hundert Jahren noch merken kann: hoppla, ich bin nicht-binär / trans / wasauchimmer. Oder dass für manche Menschen wechselnde Labels jeweils eine Zeitlang gut passen.
Aber ist nicht de facto für die Mehrheit der Menschen irgendwann mal klar, was sie sind und das ändert sich dann auch nicht mehr?
In der generalisierenden Formulierung vom "nie abgeschlossenen Prozess" schwingt für mich etwas mit, das mich stört. Ich höre da auch eine Forderung, eine Normierung und irgendwie auch eine Wertung: Horche immer in dich hinein, ob sich da nicht vielleicht plötzlich eine Geschlechtsidentität regt, von der du bisher noch gar nichts ahnst! Du kannst dir nie für immer sicher sein! Es wird sich bestimmt noch mal was ändern! Da schwingt auch eine Höherbewertung von Fluidität gegenüber Stabilität mit, als wäre jene ein Wert an sich und diese immer von Übel. Und nicht zuletzt schwingt die Idee mit, dass jede Person sich ihr Leben lang mit Geschlechtsidentitätsfindung als permanentem Teil des eigenen Lebens beschäftigen solle oder zwangsläufig müsse, um nicht versehentlich ein Leben unter falscher Flagge zu führen.
Was aber, wenn man nach gründlicher Selbsterforschung oder ganz von selbst wo angekommen ist und es überhaupt keinen Grund gibt, das immer wieder in Frage zu stellen? Was, wenn man gar keine Geschlechtsidentität fühlt und mit dem Zeug einfach möglichst endgültig in Ruhe gelassen werden möchte?
Kann dieser Findungsprozess wirklich niemals abgeschlossen sein? Sorry, ich halte das in dieser Verallgemeinerung für Unsinn. Oder ich verstehe vielleicht etwas falsch.
Eure Ideen dazu interessieren mich.
Danke für eure sehr differenzierten Antworten.
Ich hätte das präzisieren sollen (aber dann hätte niemand mehr den langen Beitrag gelesen): In den Diskussionen, auf die ich mich hier beziehe, ging es tatsächlich um die ganz groben Kategorien von (nicht-)Geschlecht und nicht um Details wie "bin ich eher ein Mann, der Nagellack mag" oder "bin ich nicht-binär mit leicht weiblicher Schlagseite".
Natürlich arbeiten sich sehr viele Menschen lebenslang an solchen Details der Selbstfindung ab. Hier ging es aber um die generelle Behauptung, dass angeblich auch nach langer Reflexion sogar diese groben Selbstzuordnungen immer und für jeden Menschen ungewiss blieben. Und das bestreite ich.
Meine Beobachtung ist, dass die Mehrheit der Menschen einfach diejenige Identität akzeptiert, die ihnen seit der Geburt zugewiesen wurde, und dass auch der Teil, der irgendwann eine andere Identität in sich entdeckt und sich aneignet, zum größten Teil bei dieser zweiten bleibt.
Natürlich steht im Hintergrund dieser Debatte auch das Wissen, dass queere Identitäten in aller Regel einen höheren Aufwand an Selbstreflexion erfordern als nicht-queere und dass so manche nicht-queere Selbsteinordnung eher auf gesellschaftlichem Druck, hermeneutischer Ungerechtigkeit usw. beruht als auf Selbstreflexion - dass diese Menschen also sozusagen unwissentlich in einer "falschen" Identität leben.
Aber selbst wenn wir unterstellen, dass manche nicht-queere Identität nur darauf beruht, dass eine Person sich lebenslang aus welchen Gründen auch immer jeder Selbsterforschung verweigert, würde ich argumentieren, dass auch das als "abgeschlossener Identitätesfindungsprozess" gelten darf.
Das betrifft die Ebene der beobachtbaren sozialen Realität. Auf dieser Ebene halte ich den Satz "die geschlechtliche Identitätsfindung ist nie abgeschlossen" für falsch. Sofern er gar nicht beschreibend, sondern normativ gemeint sein sollte, dann würde ich mich vielleicht sogar noch mehr darüber aufregen.
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@der_zaunfink
Ich möchte die zitierte Aussage in deinem Post gerne als Forderung nach einer offenen Tür verstehen, nicht als Aufforderung, dass alle da durch gehen müssen. Aber wahrscheinlich gibt es auch Leute, die das fordern.@Rhabarberbaer Ja, das verstehe ich. Wenn man für eine größere Offenheit sich selbst und anderen gegenüber werben möchte, dann sollte man das meiner Meinung nach aber auch so formulieren und gerade nicht mit apodiktischen Behauptungen über angeblich alle Menschen.
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@der_zaunfink Da ich selbst erst mit 57 zu meiner Identität als nichtbinärer Mensch gefunden habe und tatsächlich noch ein wenig daran herumprobiere, würde ich Deinen Ausführungen widersprechen. Menschen entwickeln sich - ein Leben lang.
@Petercarla62 Was lässt dich vermuten, dass du selbst nicht bei nicht-binär bleiben wirst? Und was lässt dich vermuten, dass deine Erfahrung auf alle anderen Menschen verallgemeinerbar ist?
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@Rhabarberbaer Ja, das verstehe ich. Wenn man für eine größere Offenheit sich selbst und anderen gegenüber werben möchte, dann sollte man das meiner Meinung nach aber auch so formulieren und gerade nicht mit apodiktischen Behauptungen über angeblich alle Menschen.
Ein grundsätzliches Problem in unserer Gesellschaft. Menschen fordern einerseits Offenheit und Toleranz für dieses, jenes und selles (nicht nur bei diesem Thema hier) und sagen an Anderer Stelle dann wieder Dinge welche sie gern in Stein gemeißelt hätten. Das finde ich so schade. Wenn ich Offenheit von Anderen fordere (oder Wünsche) muss ich doch selbst auch offen sein für andere Gedanken. Offenheit ist ja keine Einbahnstraße.
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In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
Ich würde nie in Frage stellen, dass jemand ggf. mit hundert Jahren noch merken kann: hoppla, ich bin nicht-binär / trans / wasauchimmer. Oder dass für manche Menschen wechselnde Labels jeweils eine Zeitlang gut passen.
Aber ist nicht de facto für die Mehrheit der Menschen irgendwann mal klar, was sie sind und das ändert sich dann auch nicht mehr?
In der generalisierenden Formulierung vom "nie abgeschlossenen Prozess" schwingt für mich etwas mit, das mich stört. Ich höre da auch eine Forderung, eine Normierung und irgendwie auch eine Wertung: Horche immer in dich hinein, ob sich da nicht vielleicht plötzlich eine Geschlechtsidentität regt, von der du bisher noch gar nichts ahnst! Du kannst dir nie für immer sicher sein! Es wird sich bestimmt noch mal was ändern! Da schwingt auch eine Höherbewertung von Fluidität gegenüber Stabilität mit, als wäre jene ein Wert an sich und diese immer von Übel. Und nicht zuletzt schwingt die Idee mit, dass jede Person sich ihr Leben lang mit Geschlechtsidentitätsfindung als permanentem Teil des eigenen Lebens beschäftigen solle oder zwangsläufig müsse, um nicht versehentlich ein Leben unter falscher Flagge zu führen.
Was aber, wenn man nach gründlicher Selbsterforschung oder ganz von selbst wo angekommen ist und es überhaupt keinen Grund gibt, das immer wieder in Frage zu stellen? Was, wenn man gar keine Geschlechtsidentität fühlt und mit dem Zeug einfach möglichst endgültig in Ruhe gelassen werden möchte?
Kann dieser Findungsprozess wirklich niemals abgeschlossen sein? Sorry, ich halte das in dieser Verallgemeinerung für Unsinn. Oder ich verstehe vielleicht etwas falsch.
Eure Ideen dazu interessieren mich.
Geschlechtliche Identität heißt ja nicht 100% Mann oder 100% Frau.
Ich bin im Laufe meines Lebens immer fraulicher geworden. Damit meine ich nicht, dass ich homosexuelle Neigungen habe, ich bin ein cis-Mann, der Frauen attraktiv findet.
Aber wo in meiner "Jugend" ein von viel Testosteron getriebener Mensch stand, ist nun jemand der auch "weibliche" Eigenschaften (Zärtlichkeit, zuhören, sich kümmern, etc.) in sich hat, und froh darüber ist, weil etwas zu meiner Persönlichkeit dazu gekommen ist, was mich bereichert.
Und zum "irgendwann mal klar": ein Bekannter von mir, (immer noch) glücklich verheiratet mit Kind, fühlte sich vor ein paar Jahren seelisch unwohl. Nach einiger Zeit wurde er sich klar, dass er sich als Frau identifiziert. Er liebt seine Frau immer noch, er findet andere Frauen immer noch attraktiv (nicht Männer) aber er hat den Namen, Frisur, Erscheinung gewechselt.
Niemand hätte das wohl bei ihm vermutet, denn er ist weder schrill noch sonst irgendwie auffällig, er verkehrt auch nciht in irgendwelchen "Szenen".
Die Wandlung ist, so weit ich weiß, kein Problem für seine Bekannten, Kunden etc. Warum auch.
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Ein grundsätzliches Problem in unserer Gesellschaft. Menschen fordern einerseits Offenheit und Toleranz für dieses, jenes und selles (nicht nur bei diesem Thema hier) und sagen an Anderer Stelle dann wieder Dinge welche sie gern in Stein gemeißelt hätten. Das finde ich so schade. Wenn ich Offenheit von Anderen fordere (oder Wünsche) muss ich doch selbst auch offen sein für andere Gedanken. Offenheit ist ja keine Einbahnstraße.
@t0fur0cker
Das ist der Punkt, der mich da so'n bisschen allergisch reagieren lässt. -
Geschlechtliche Identität heißt ja nicht 100% Mann oder 100% Frau.
Ich bin im Laufe meines Lebens immer fraulicher geworden. Damit meine ich nicht, dass ich homosexuelle Neigungen habe, ich bin ein cis-Mann, der Frauen attraktiv findet.
Aber wo in meiner "Jugend" ein von viel Testosteron getriebener Mensch stand, ist nun jemand der auch "weibliche" Eigenschaften (Zärtlichkeit, zuhören, sich kümmern, etc.) in sich hat, und froh darüber ist, weil etwas zu meiner Persönlichkeit dazu gekommen ist, was mich bereichert.
Und zum "irgendwann mal klar": ein Bekannter von mir, (immer noch) glücklich verheiratet mit Kind, fühlte sich vor ein paar Jahren seelisch unwohl. Nach einiger Zeit wurde er sich klar, dass er sich als Frau identifiziert. Er liebt seine Frau immer noch, er findet andere Frauen immer noch attraktiv (nicht Männer) aber er hat den Namen, Frisur, Erscheinung gewechselt.
Niemand hätte das wohl bei ihm vermutet, denn er ist weder schrill noch sonst irgendwie auffällig, er verkehrt auch nciht in irgendwelchen "Szenen".
Die Wandlung ist, so weit ich weiß, kein Problem für seine Bekannten, Kunden etc. Warum auch.
@OhWeh Da sind jetzt ein paar Punkte, bei denen ich weit ausholen könnte, aber ich weiß nicht, ob ich das gerade möchte.
Aber das zumindest: Wenn du von einer Frau redest, sag bitte "sie" und nicht "er", es sei denn, diese Person möchte das ausdrücklich anders.
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@OhWeh Da sind jetzt ein paar Punkte, bei denen ich weit ausholen könnte, aber ich weiß nicht, ob ich das gerade möchte.
Aber das zumindest: Wenn du von einer Frau redest, sag bitte "sie" und nicht "er", es sei denn, diese Person möchte das ausdrücklich anders.
Ich akzeptiere sie als Mensch. Ob sie oder er ist MIR nicht wichtig.
Akzeptiere Du, dass es solche Menschen gibt, die sich auch nach 40 wandeln.
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Ich akzeptiere sie als Mensch. Ob sie oder er ist MIR nicht wichtig.
Akzeptiere Du, dass es solche Menschen gibt, die sich auch nach 40 wandeln.
@OhWeh Frag doch mal deine Bekannte, ob es ihr auch egal ist, welche Pronomen du für sie verwendest.
Und bitte lies meine Beiträge noch einmal aufmerksam durch.
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In Diskussionen über die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten sagt manchmal jemand sehr überzeugt und apodiktisch: "Die geschlechtliche Identitätsfindung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist."
Ich würde nie in Frage stellen, dass jemand ggf. mit hundert Jahren noch merken kann: hoppla, ich bin nicht-binär / trans / wasauchimmer. Oder dass für manche Menschen wechselnde Labels jeweils eine Zeitlang gut passen.
Aber ist nicht de facto für die Mehrheit der Menschen irgendwann mal klar, was sie sind und das ändert sich dann auch nicht mehr?
In der generalisierenden Formulierung vom "nie abgeschlossenen Prozess" schwingt für mich etwas mit, das mich stört. Ich höre da auch eine Forderung, eine Normierung und irgendwie auch eine Wertung: Horche immer in dich hinein, ob sich da nicht vielleicht plötzlich eine Geschlechtsidentität regt, von der du bisher noch gar nichts ahnst! Du kannst dir nie für immer sicher sein! Es wird sich bestimmt noch mal was ändern! Da schwingt auch eine Höherbewertung von Fluidität gegenüber Stabilität mit, als wäre jene ein Wert an sich und diese immer von Übel. Und nicht zuletzt schwingt die Idee mit, dass jede Person sich ihr Leben lang mit Geschlechtsidentitätsfindung als permanentem Teil des eigenen Lebens beschäftigen solle oder zwangsläufig müsse, um nicht versehentlich ein Leben unter falscher Flagge zu führen.
Was aber, wenn man nach gründlicher Selbsterforschung oder ganz von selbst wo angekommen ist und es überhaupt keinen Grund gibt, das immer wieder in Frage zu stellen? Was, wenn man gar keine Geschlechtsidentität fühlt und mit dem Zeug einfach möglichst endgültig in Ruhe gelassen werden möchte?
Kann dieser Findungsprozess wirklich niemals abgeschlossen sein? Sorry, ich halte das in dieser Verallgemeinerung für Unsinn. Oder ich verstehe vielleicht etwas falsch.
Eure Ideen dazu interessieren mich.
@der_zaunfink
Ich denke, es muss keine Wertung oder Forderung sein, sondern kann auch als Betrachtung verstanden werden, Geschlechtsidentität sei nicht in Stein gemeißelt, sondern sei etwas, das sich stetig vollzieht. Dem könnte ich folgen, denn Identifikation, Selbstkonzept, was immer wir "Identität" nennen, scheint ständigen, oft auch unmerklichen Veränderungen unterworfen, auch dann, wenn es sich total fest und für immer gültig anfühlt. 1️⃣/5️⃣ -
oder ständig Selbstschau zu betreiben, ob sich da was verschiebt. Es könnte sich um sowas wie die von mir geteilte Position handeln, dass Geschlechtsidentität wie andere Dinge, die mit Identität zu tun haben, mit ständigen mehr oder weniger bewussten Findungsprozessen einhergeht, und zwar auch dann, wenn dabei das eigene Selbstkonzept stets innerlich bestätigt wird und sich deshalb fest anfühlt oder jedes Mal noch fester wird. 3️⃣/5️⃣
@der_zaunfinkOff topic: Wie mich persönlich das Thema Geschlechtsidentität tatsächlich nervt. Ich finde schlimm, damit aufgewachsen zu sein, dass es überhaupt eine Rolle zu spielen hat und dass es sich in übelsten Klischees und Schubladen manifestiert, sich binärsprachlich niederschlägt und fortträgt.
Das soll jetzt nicht daran wackeln, innerhalb dieser Sicht eine Zuordnung für sich gefunden haben. 4️⃣/5️⃣
@der_zaunfink -
@der_zaunfink
Ich denke, es muss keine Wertung oder Forderung sein, sondern kann auch als Betrachtung verstanden werden, Geschlechtsidentität sei nicht in Stein gemeißelt, sondern sei etwas, das sich stetig vollzieht. Dem könnte ich folgen, denn Identifikation, Selbstkonzept, was immer wir "Identität" nennen, scheint ständigen, oft auch unmerklichen Veränderungen unterworfen, auch dann, wenn es sich total fest und für immer gültig anfühlt. 1️⃣/5️⃣Vom mir unbekannten Gesamtzusammenhang losgelöst könnte die Aussage in Opposition zu festgefahrenen Sichtweisen gehen wollen, indem sie die Geschlechtsidentität als Teil des lebenslangen Prozesses der eigenen Identitätsstiftung im Visier hat. Eine Wertung muss also nicht enthalten sein, auch kein Appell, die eigene Geschlechtsidentität ständig auf den Prüfstand und den damit verbundenen festen Anker und inneren Frieden infrage zu stellen… 2️⃣/5️⃣
@der_zaunfink -
Vom mir unbekannten Gesamtzusammenhang losgelöst könnte die Aussage in Opposition zu festgefahrenen Sichtweisen gehen wollen, indem sie die Geschlechtsidentität als Teil des lebenslangen Prozesses der eigenen Identitätsstiftung im Visier hat. Eine Wertung muss also nicht enthalten sein, auch kein Appell, die eigene Geschlechtsidentität ständig auf den Prüfstand und den damit verbundenen festen Anker und inneren Frieden infrage zu stellen… 2️⃣/5️⃣
@der_zaunfinkoder ständig Selbstschau zu betreiben, ob sich da was verschiebt. Es könnte sich um sowas wie die von mir geteilte Position handeln, dass Geschlechtsidentität wie andere Dinge, die mit Identität zu tun haben, mit ständigen mehr oder weniger bewussten Findungsprozessen einhergeht, und zwar auch dann, wenn dabei das eigene Selbstkonzept stets innerlich bestätigt wird und sich deshalb fest anfühlt oder jedes Mal noch fester wird. 3️⃣/5️⃣
@der_zaunfink -
Off topic: Wie mich persönlich das Thema Geschlechtsidentität tatsächlich nervt. Ich finde schlimm, damit aufgewachsen zu sein, dass es überhaupt eine Rolle zu spielen hat und dass es sich in übelsten Klischees und Schubladen manifestiert, sich binärsprachlich niederschlägt und fortträgt.
Das soll jetzt nicht daran wackeln, innerhalb dieser Sicht eine Zuordnung für sich gefunden haben. 4️⃣/5️⃣
@der_zaunfinkNatürlich haben wir Empfindungen zu all den vorgefundenen Labels und assoziierten damit Körper-, ästhetische und sehr viele weitere Empfindungen. Je nachdem fühlen wir uns hingezogen, abgestoßen, neutral dazu und uns damit mal mehr und mal weniger getroffen, spielen vielleicht damit, gehen vielleicht in Opposition oder schreiben sie für uns persönlich um. 5️⃣/5️⃣ @der_zaunfink
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oder ständig Selbstschau zu betreiben, ob sich da was verschiebt. Es könnte sich um sowas wie die von mir geteilte Position handeln, dass Geschlechtsidentität wie andere Dinge, die mit Identität zu tun haben, mit ständigen mehr oder weniger bewussten Findungsprozessen einhergeht, und zwar auch dann, wenn dabei das eigene Selbstkonzept stets innerlich bestätigt wird und sich deshalb fest anfühlt oder jedes Mal noch fester wird. 3️⃣/5️⃣
@der_zaunfink@moeria Ich glaube zwar nicht, dass es so gemeint war, aber diesen Blick auf das Phänomen finde ich sehr interessant und auch total plausibel. Da wäre ich gar nicht drauf gekommen. Wieda wat jelernt, danke!
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@moeria Ich glaube zwar nicht, dass es so gemeint war, aber diesen Blick auf das Phänomen finde ich sehr interessant und auch total plausibel. Da wäre ich gar nicht drauf gekommen. Wieda wat jelernt, danke!
@der_zaunfink
🫶 Da fühle ich mich geehrt. Wo ich doch so viel von Dir lerne. -
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